Plattencheck: Kitty Solaris – We Stop The Dance

Kitty Solaris ist das personifizierte Ein-Frau-Imperium der Berliner Musik-Subkultur. Klingt hochgegriffen? Vielleicht. Doch als Labelchefin (Solaris Empire), Veranstalterin einer Konzertreihe im Schokoladen Mitte und musikschaffende Künstlerin, die in Eigenregie schon vor vielen Jahren aus der Not, die die Branche so mit sich bringt, eine selbstausbeuterische Tugend gemacht hat, muss sie sich mit dem Prädikat schmücken lassen. Mit We Stop The Dance, ihrem bereits vierten Album, verweigert sie sich nicht nur ihrer Singer-Songwriter lastigen Vergangenheit, sie holt zum Generalschlag aus und schafft etwas, dass man hierzulande nur selten findet: dunkelbunten, englischsprachigen Pop mit Haltung und dem nötigen Gespür für Ironie.

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Die-Absolut-Ultimative-Bernhard-Eder-Groupie-VS-Kritiker-Experience

Eine Real-Utopie in zwei Akten! (Noch Besser Leben // Leipzig // 13.04.13)

Der Groupie (also known as Fan in liebestoller Mission)

Wenn Bernhard Eder live musiziert, handelt es sich nicht um ein Konzert. Wer das behauptet, macht sich astreiner Blasphemie der untersten Schublade schuldig. Betritt Eder die Bühnen dieser Welt, begleitet von ständig wechselnden, dem Stande der Musiker alle Ehre machenden Künstlern, wähnt man sich in einem von gleißendem Licht erhellten Strudel aus fragil gewebten Tonteppichen, meisterhafter Poesie und immerwährender Liebe. Der Adonis aus Geboltskirchen versteht es wie kein Zweiter sein Publikum in die höchsten Höhen zu treiben, was nicht selten Ausmaße annimmt, die einer euphorischen Symphonie aus Woodstockexzess und Tantra-Meditation gleicht. Wo auch immer dieser messiasgleiche Vollblutakteur sein Können den Heerscharen von begeisterten Menschen feil bietet und ihm junge Mütter ihre Erstgeborenen zur Segnung hinreichen, hinterlässt Bernhard Eder das wohlige Gefühl dem Wahrhaftigen begegnet zu sein. Hatten die Beatles immerhin das Glück die maßlose Aufmerksamkeit der quasi gesamten weiblichen Weltbevölkerung auf vier Mitglieder aufzuteilen, so fokussiert diese singende Kostbarkeit alle Andacht auf sich. Doch der Österreicher bleibt authentisch, volksnah, er selbst.
An diesem denkwürdigen Abend hatte das Noch Besser Leben in Leipzig, bekannt für seine exquisiten Veranstaltungen, zum Happening geladen. Es ist das übliche Bild. Die Jünger des von Presse und anderem Gesocks als Singer-Songwriter etikettierten Multiinstrumentalisten nicken sich beim Eintreten wissend und milde lächelnd zu, Neulinge werden behutsam auf das was kommen wird vorbereitet und mit dem Satz „Wir sehen uns auf der anderen Seite“ ihrem Schicksal überlassen.
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„Ich bin auf diesen Schaaß ja auch total vorbereitet“ – A Life, A Song, A Cigarette – Ein Erfahrungsbericht

Sonntag, 17. März 2013. 11 Uhr, mitteleuropäische Ortszeit.
Der Winter ist immer noch da. Die Frisur saß nie schlechter. Wir verlassen das graue Etwas, das von den Insassen putzigerweise für eine Stadt gehalten wird, über einen noch trüberen Autobahnzubringer, der Schnee nervt, es ist zu hell. Das an der Windschutzscheibe befestigte iPhone spielt die Lieder der letzten Nacht und so streichelt Red September im selben Rhythmus das Trommelfell, wie der hämmernde Kopfschmerz das Stammhirn. Irgendwo in der Nähe der Porta Westfalica erfinden wir das Spiel „Schreibe eine Konzertreview in der möglichst viele sinnlose Wort-Assoziationsketten vorkommen, die später getaggt (Verschlagwortung, Bibliothekswesen, Preußische Instruktionen, Potsdam, Friedrich II, Schlacht von Königgrätz, etc.) werden können, um möglichst viele Menschen auf A Life, A Song, A Cigarette aufmerksam zu machen, obwohl diese auf der Suche nach etwas inhaltlich anderem waren (Serendipitäts-Prinzip, Viagra, Hugh Heffner, Playboy, Ostern, Eier, Oliver Kahn)“. Was war nur geschehen?!?!?

— RÜCKBLENDE

Donnerstag, 15. März 2013.
Die österreichische Band A Life, A Song, A Cigarette begibt sich nach exakt viel zu langer Zeit wieder auf Metropolentour durch Deutschland. Und was für namenhafte Städte da auf dem Plan stehen: Chemnitz, Haldern, Bielefeld – um nur die wichtigsten zu nennen! Als musikaffiner Mensch im Allgemeinen und Fan im Speziellen darf man da natürlich nicht fehlen.
Unser Weg führt über schneeverwehte, serpentinenartige Landstraßen und die Erkenntnis reift, dass die Strecke der Railley Paris – Dakar auch nicht viel schlimmer sein kann als die 80 Kilometer von Leipzig nach Chemnitz (Karl Marx, Kapitalismus, Euro-Krise, Griechenland, Ouzo, Paracetamol, Übelkeit, Kraftklub). Jedoch entschädigt allein das Aaltra für jegliche Strapazen. Kuscheliges Wohnzimmerfeeling trifft auf jene Behaglichkeit, welche nur von Raucherkneipen ausgestrahlt werden kann. Fummelatmosphäre at it’s very best. Hier sitzt man quasi mit auf der Bühne, die in etwa die Größe eines handelsüblichen Hamsterkäfigs hat.

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