Ein Abend mit Honig: Über blutige Presswerkunfälle in Tschechien und einen T-1000 namens Harmen

Stefan Honig gehört zu der Sorte Mensch, die man sofort mögen muss, ohne ihn wirklich zu kennen. Einfach so, man hat da gar keine Wahl. Außerdem macht er Musik, die all jenen, die sich nur im Entferntesten mit Singer/Songwriter Musik arrangieren können, ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Das Werk II im Leipziger Stadtteil Connewitz genauer gesagt die Halle D, ist an diesem Abend gefüllter als erwartet. Der Düsseldorfer Stefan Honig ist mit seiner Band auf Tour und zieht endlich Publikum – manchmal muss man nur 16 Jahre warten, bis sich Träume erfüllen.
Den Gute-Laune-Reigen eröffnet unsere niederländisch/finnische Lieblingskombination: Town Of Saints. Dass diese Band in Sachen energetische wie gleichsam gefühlvolle Indie-Folk-Nummern brilliert, konnten wir bereits auf den legendären Wohnzimmerkonzerten in Leipzig bewundern. Als Support-Act, diesmal mit Schlagzeuger Sietse Ros, zeigen sie vor allem, dass ihre Musik die große Bühne mehr als verdient hat und zu überzeugen weiß. Sänger und Gitarrist Harmen Ridderbos redet sich zwischen den Songs aufs sympathischste um Kopf und Kragen, Heta Salkolathi und ihre Violine scheinen von Natur aus zusammenzugehören und Ros an den Drums schlägt ungeahnte, neue Kräfte in die ohnehin schon überwiegend tanzbaren Stücke. Zudem zeigen gerade die ruhigeren Songs die textlichen Stärken der Band, die im explosiven Strudel der Voll-Auf-Die-12-Lieder schnell mal verloren geht. Auch wenn Vergleiche wie Arcade Fire oder Fleet Foxes durchaus zutreffen, so ist das besondere der Town Of Saints trotz allem die Eigenständigkeit und das offenherzige Selbstverständnis mit dem sie ihr Können zur Schau stellen. Die Spielfreude und Herzlichkeit der Drei ist mit ansteckend nur unzureichend beschrieben und bietet einen rauschenden Einstieg in die Konzertnacht. In drei Worten: leidenschaftlich, virtuos, energiegeladen. Mehr auf Bandcamp!

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Town Of Saints und Talking To Turtles

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Plattencheck: Bernhard Eder – Post Breakup Coffee

Die Herzschmerz-Oktalogie

Konzeptalben zum Thema Trennung sind so eine Sache. Die inneren Befindlichkeiten kurz nach dem – um mal in den Tiefen der metaphorischen Pathoskiste zu wühlen – einem das Herz herausgerissen wurde, sind zwar jedem mehr oder weniger bekannt, dennoch kann man diesbezüglich als Musiker schnell ins wahlweise jämmerlich Selbstgefällige oder nervtötend Belehrende abrutschen. Die Übergänge sind fließend. Der Wahl-Wiener Bernhard Eder verarbeitet mit Post Breakup Coffee nicht nur eine gescheiterte Liebe, er verlässt zudem seinen Heimathafen als Singer/Songwriter. Wenn man den langen Weg des Neuanfangs schon einschlägt, dann richtig, mag er sich gedacht haben. Eine Gratwanderung auf den Gipfeln der Melancholie hin zur Gesundung.

2012-08-06_BernhardEder_PostBreakupCoffee.indd Weiterlesen

„Ich bin auf diesen Schaaß ja auch total vorbereitet“ – A Life, A Song, A Cigarette – Ein Erfahrungsbericht

Sonntag, 17. März 2013. 11 Uhr, mitteleuropäische Ortszeit.
Der Winter ist immer noch da. Die Frisur saß nie schlechter. Wir verlassen das graue Etwas, das von den Insassen putzigerweise für eine Stadt gehalten wird, über einen noch trüberen Autobahnzubringer, der Schnee nervt, es ist zu hell. Das an der Windschutzscheibe befestigte iPhone spielt die Lieder der letzten Nacht und so streichelt Red September im selben Rhythmus das Trommelfell, wie der hämmernde Kopfschmerz das Stammhirn. Irgendwo in der Nähe der Porta Westfalica erfinden wir das Spiel „Schreibe eine Konzertreview in der möglichst viele sinnlose Wort-Assoziationsketten vorkommen, die später getaggt (Verschlagwortung, Bibliothekswesen, Preußische Instruktionen, Potsdam, Friedrich II, Schlacht von Königgrätz, etc.) werden können, um möglichst viele Menschen auf A Life, A Song, A Cigarette aufmerksam zu machen, obwohl diese auf der Suche nach etwas inhaltlich anderem waren (Serendipitäts-Prinzip, Viagra, Hugh Heffner, Playboy, Ostern, Eier, Oliver Kahn)“. Was war nur geschehen?!?!?

— RÜCKBLENDE

Donnerstag, 15. März 2013.
Die österreichische Band A Life, A Song, A Cigarette begibt sich nach exakt viel zu langer Zeit wieder auf Metropolentour durch Deutschland. Und was für namenhafte Städte da auf dem Plan stehen: Chemnitz, Haldern, Bielefeld – um nur die wichtigsten zu nennen! Als musikaffiner Mensch im Allgemeinen und Fan im Speziellen darf man da natürlich nicht fehlen.
Unser Weg führt über schneeverwehte, serpentinenartige Landstraßen und die Erkenntnis reift, dass die Strecke der Railley Paris – Dakar auch nicht viel schlimmer sein kann als die 80 Kilometer von Leipzig nach Chemnitz (Karl Marx, Kapitalismus, Euro-Krise, Griechenland, Ouzo, Paracetamol, Übelkeit, Kraftklub). Jedoch entschädigt allein das Aaltra für jegliche Strapazen. Kuscheliges Wohnzimmerfeeling trifft auf jene Behaglichkeit, welche nur von Raucherkneipen ausgestrahlt werden kann. Fummelatmosphäre at it’s very best. Hier sitzt man quasi mit auf der Bühne, die in etwa die Größe eines handelsüblichen Hamsterkäfigs hat.

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Fotostrecke: A Life, A Song, A Cigarette @ Falkendom // Bielefeld

Geht es um die fünf Österreicher von A Life, A Song, A Cigarette, sind wir ja durchaus missionarisch unterwegs. Diesmal führte uns der Weg nach Bielefeld. Zunächst bereichern wir die große, weite Welt des Internets mit ein paar Schnappschüssen. Der etwas andere Konzertbericht folgt.

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Mine! Schöne Töne und ein Crowdfunding-Projekt der anderen Art

Dieser Tage (okay, zugegeben, im Februar) erreichte uns eine sehr nette Mail, die uns auf ein beeindruckendes Projekt, vor allem aber auf eine talentierte und ambitionierte junge Musikerin aufmerksam machte. Trommelwirbel für Popmusik im allerfeinsten Sinne.

Die Mainzer Sängerin Mine ist ohne großes Herumreden eine der facettenreichsten und interessantesten deutschsprachigen Poperscheinungen, die derzeit durchs Land ziehen. Und mit Pop ist die gelungene Konzentration von herrlich versonnen Arrangements und minimalistischen aber dennoch bewegenden Texten gemeint, welche um Jazzelemente, Folkideen und  HipHop-Einflüsse bereichert werden. Neben dem verspielten auftauchen vielerelei Trommeln oder dem Einsatz eines Vibraphons begeistert die EP „Herzverleih“ in erster Linie durch die schwindelerregende Stimme einer jungen Frau der man schlichtweg gerne zuhört. Hier erzählt eine von sich selbst und doch von uns allen. Mal stark, mal weich, dann wieder entschlossen und nachdenklich zugleich. Mines Musik hat so viele Ideen, Seiten, Impulse und Vertracktheiten wie das Leben selbst.

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Fotostrecke: Ian Fisher & The Present (Support: The Alma Church Choir) // Privatclub // Berlin

Im Privatclub zu Berlin konnte man am vergangenen Donnerstagabend (07.03.13) die Künstler Andreas Laudwein aka The Alma Church Choir (in Begleitung von Lina Paul / Keys und Anna Kaluza / Saxophon) sowie Ian Fisher & The Present bestaunen. Auf Grund zeitlicher Engpässe muss ein Konzertbericht vorerst warten, wir hoffen die Fotos verkürzen die Zwischenzeit. So long….

The Alma Church Choir (Andreas Laudwein / Lina Paul)

The Alma Church Choir (Andreas Laudwein / Lina Paul)

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Plattencheck: Petula – Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula!

It’s all action, drama, beauty – it’s all well buried under layers’n’layers of microsound.

Petula, dass Ein-Mann-Band-Projekt um Sebastian Cleemann, veröffentlichte bereits im Januar ihr/sein zweites Album Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula. Es legt Schicht für Schicht eine Eigeninterpretation des Zweifelns und Vergessens frei, die weder kitschig noch trostlos düster wirkt, aber charmant von Einem berichtet, der sich all den Facetten des Grübelns mit Hingabe widmet. Wir sind zwar etwas spät dran, aber es wäre im Sinne eines total trendigen Musikblogs absolut suizidal dieses Electronica-Folk-Meisterwerk nicht zu besprechen.

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