Die-Absolut-Ultimative-Bernhard-Eder-Groupie-VS-Kritiker-Experience

Eine Real-Utopie in zwei Akten! (Noch Besser Leben // Leipzig // 13.04.13)

Der Groupie (also known as Fan in liebestoller Mission)

Wenn Bernhard Eder live musiziert, handelt es sich nicht um ein Konzert. Wer das behauptet, macht sich astreiner Blasphemie der untersten Schublade schuldig. Betritt Eder die Bühnen dieser Welt, begleitet von ständig wechselnden, dem Stande der Musiker alle Ehre machenden Künstlern, wähnt man sich in einem von gleißendem Licht erhellten Strudel aus fragil gewebten Tonteppichen, meisterhafter Poesie und immerwährender Liebe. Der Adonis aus Geboltskirchen versteht es wie kein Zweiter sein Publikum in die höchsten Höhen zu treiben, was nicht selten Ausmaße annimmt, die einer euphorischen Symphonie aus Woodstockexzess und Tantra-Meditation gleicht. Wo auch immer dieser messiasgleiche Vollblutakteur sein Können den Heerscharen von begeisterten Menschen feil bietet und ihm junge Mütter ihre Erstgeborenen zur Segnung hinreichen, hinterlässt Bernhard Eder das wohlige Gefühl dem Wahrhaftigen begegnet zu sein. Hatten die Beatles immerhin das Glück die maßlose Aufmerksamkeit der quasi gesamten weiblichen Weltbevölkerung auf vier Mitglieder aufzuteilen, so fokussiert diese singende Kostbarkeit alle Andacht auf sich. Doch der Österreicher bleibt authentisch, volksnah, er selbst.
An diesem denkwürdigen Abend hatte das Noch Besser Leben in Leipzig, bekannt für seine exquisiten Veranstaltungen, zum Happening geladen. Es ist das übliche Bild. Die Jünger des von Presse und anderem Gesocks als Singer-Songwriter etikettierten Multiinstrumentalisten nicken sich beim Eintreten wissend und milde lächelnd zu, Neulinge werden behutsam auf das was kommen wird vorbereitet und mit dem Satz „Wir sehen uns auf der anderen Seite“ ihrem Schicksal überlassen.
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Ein Abend mit Honig: Über blutige Presswerkunfälle in Tschechien und einen T-1000 namens Harmen

Stefan Honig gehört zu der Sorte Mensch, die man sofort mögen muss, ohne ihn wirklich zu kennen. Einfach so, man hat da gar keine Wahl. Außerdem macht er Musik, die all jenen, die sich nur im Entferntesten mit Singer/Songwriter Musik arrangieren können, ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Das Werk II im Leipziger Stadtteil Connewitz genauer gesagt die Halle D, ist an diesem Abend gefüllter als erwartet. Der Düsseldorfer Stefan Honig ist mit seiner Band auf Tour und zieht endlich Publikum – manchmal muss man nur 16 Jahre warten, bis sich Träume erfüllen.
Den Gute-Laune-Reigen eröffnet unsere niederländisch/finnische Lieblingskombination: Town Of Saints. Dass diese Band in Sachen energetische wie gleichsam gefühlvolle Indie-Folk-Nummern brilliert, konnten wir bereits auf den legendären Wohnzimmerkonzerten in Leipzig bewundern. Als Support-Act, diesmal mit Schlagzeuger Sietse Ros, zeigen sie vor allem, dass ihre Musik die große Bühne mehr als verdient hat und zu überzeugen weiß. Sänger und Gitarrist Harmen Ridderbos redet sich zwischen den Songs aufs sympathischste um Kopf und Kragen, Heta Salkolathi und ihre Violine scheinen von Natur aus zusammenzugehören und Ros an den Drums schlägt ungeahnte, neue Kräfte in die ohnehin schon überwiegend tanzbaren Stücke. Zudem zeigen gerade die ruhigeren Songs die textlichen Stärken der Band, die im explosiven Strudel der Voll-Auf-Die-12-Lieder schnell mal verloren geht. Auch wenn Vergleiche wie Arcade Fire oder Fleet Foxes durchaus zutreffen, so ist das besondere der Town Of Saints trotz allem die Eigenständigkeit und das offenherzige Selbstverständnis mit dem sie ihr Können zur Schau stellen. Die Spielfreude und Herzlichkeit der Drei ist mit ansteckend nur unzureichend beschrieben und bietet einen rauschenden Einstieg in die Konzertnacht. In drei Worten: leidenschaftlich, virtuos, energiegeladen. Mehr auf Bandcamp!

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Town Of Saints und Talking To Turtles

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Fotostrecke: Der Herr Polaris und Benni Benson // Künstlerhaus // Kempten

Zur Musiknacht in Kempten versammelte sich am Samstag, 23.03.2013, ein bunt gemischtes Publikum im Künstlerhaus um den Augsburger Liedermachern Der Herr Polaris und Benni Benson zu lauschen. Hier ein paar ausgewählte Schnappschüsse:

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„Ich bin auf diesen Schaaß ja auch total vorbereitet“ – A Life, A Song, A Cigarette – Ein Erfahrungsbericht

Sonntag, 17. März 2013. 11 Uhr, mitteleuropäische Ortszeit.
Der Winter ist immer noch da. Die Frisur saß nie schlechter. Wir verlassen das graue Etwas, das von den Insassen putzigerweise für eine Stadt gehalten wird, über einen noch trüberen Autobahnzubringer, der Schnee nervt, es ist zu hell. Das an der Windschutzscheibe befestigte iPhone spielt die Lieder der letzten Nacht und so streichelt Red September im selben Rhythmus das Trommelfell, wie der hämmernde Kopfschmerz das Stammhirn. Irgendwo in der Nähe der Porta Westfalica erfinden wir das Spiel „Schreibe eine Konzertreview in der möglichst viele sinnlose Wort-Assoziationsketten vorkommen, die später getaggt (Verschlagwortung, Bibliothekswesen, Preußische Instruktionen, Potsdam, Friedrich II, Schlacht von Königgrätz, etc.) werden können, um möglichst viele Menschen auf A Life, A Song, A Cigarette aufmerksam zu machen, obwohl diese auf der Suche nach etwas inhaltlich anderem waren (Serendipitäts-Prinzip, Viagra, Hugh Heffner, Playboy, Ostern, Eier, Oliver Kahn)“. Was war nur geschehen?!?!?

— RÜCKBLENDE

Donnerstag, 15. März 2013.
Die österreichische Band A Life, A Song, A Cigarette begibt sich nach exakt viel zu langer Zeit wieder auf Metropolentour durch Deutschland. Und was für namenhafte Städte da auf dem Plan stehen: Chemnitz, Haldern, Bielefeld – um nur die wichtigsten zu nennen! Als musikaffiner Mensch im Allgemeinen und Fan im Speziellen darf man da natürlich nicht fehlen.
Unser Weg führt über schneeverwehte, serpentinenartige Landstraßen und die Erkenntnis reift, dass die Strecke der Railley Paris – Dakar auch nicht viel schlimmer sein kann als die 80 Kilometer von Leipzig nach Chemnitz (Karl Marx, Kapitalismus, Euro-Krise, Griechenland, Ouzo, Paracetamol, Übelkeit, Kraftklub). Jedoch entschädigt allein das Aaltra für jegliche Strapazen. Kuscheliges Wohnzimmerfeeling trifft auf jene Behaglichkeit, welche nur von Raucherkneipen ausgestrahlt werden kann. Fummelatmosphäre at it’s very best. Hier sitzt man quasi mit auf der Bühne, die in etwa die Größe eines handelsüblichen Hamsterkäfigs hat.

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„Hallo, liebe Lemonen“ oder Ein Doppelkonzerttag mit Benni und Bruno

Das nächste Lied heißt „Hallo, liebe D-ämonen“.
Ich betone das D, weil ich aus Bayrisch-Schwaben komme. Aus AugSCHburg. Die Leute verstehen oft
„Hallo, liebe Lemonen“
– Der Herr Polaris –

Die Autorin gilt als die Zuverlässigkeit in Person, wenn es um das Finden von Superlativen geht, möchte an dieser Stelle aber schon jetzt deutlich untermauern, dass es schwierig wird den Doppelkonzerttag mit Benni Benson und Der Herr Polaris in Worte zu fassen. Deshalb sollen Bilder heute ihre Sprache sein.

15 Uhr 30, mitteleuropäischer Ortszeit. Die Stadt Leipzig scheint jegliche Farben verloren zu haben, so schrecklich grau präsentiert sich das erste Febraurwochenende – noch.
Das Musikhaus Kietz wehrt sich im Inneren mit allem was die Farbpalette hergibt gegen aufkommende Tristesse. Der Flatscreen wirft bunte Bilder in den Raum, die ausrangierten Deko-Platten an der Decke blicken schützend auf die Besucher herab, das Vinyl in den Kisten lädt zum stöbern ein, der Kaffee schmeckt – so stellt man sich Oasen vor.
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Benni Benson – Für Etwas Wirklich Brennen (EP)

Von einem, der auszog, sich den Flammen zu übergeben ohne niederzubrennen

Den gemeinen Singer/Songwriter erkennt man in aller Regel daran, dass der junge Mann seine Melange aus prosaischen Herzschmerztexten und tieftraurigen Klangfarben so gekonnt in Szene setzt, dass frau nichts anderes übrig bleibt als den Der-Muss-Gerettet-Werden-Komplex aus der Gefühlskiste zu kramen und Liedgut sowie dackelbeblickten Musiker anzuschmachten. Das ist okay, das funktioniert seit Anbeginn der Zeit. Jedoch ist es aus diesem Grund dann und wann eine echte Herausforderung sich über die Künstler dieses Genres neue Phrasen aus den Fingern zu saugen. Doch ach, es gibt sie, die Ausnahmen.

 Für etwas wirklich brennen (EP)

Für etwas wirklich brennen (EP)

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„Ich kann nicht spielen, wenn ich an meine Mutter denke“ oder die Kunst der hohen musikalischen Schule „eingebettet“ in morscher Kulisse – Lasse Matthiessen – LU99, Leipzig – 04.05.12

Dass Leipzig, (nicht nur) aus kultureller Sicht, einiges zu bieten hat, ist mittlerweile allseits bekannt. Im reichen Kultur-Potpourri findet man das Gewandhaus, eine Oper, unzählige Konzerthäuser, Musikpavillons, hippe Eventlocations, die Liste lässt sich ausgiebig fortsetzen. Weitgehend unbekannt dagegen ist das LU99, ein sogenanntes Wächterhaus, welches in regelmäßigen Abständen zu musikalischen Kuschel-Sit-Ins einlädt. Weiterlesen