Plattencheck: Petula – Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula!

It’s all action, drama, beauty – it’s all well buried under layers’n’layers of microsound.

Petula, dass Ein-Mann-Band-Projekt um Sebastian Cleemann, veröffentlichte bereits im Januar ihr/sein zweites Album Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula. Es legt Schicht für Schicht eine Eigeninterpretation des Zweifelns und Vergessens frei, die weder kitschig noch trostlos düster wirkt, aber charmant von Einem berichtet, der sich all den Facetten des Grübelns mit Hingabe widmet. Wir sind zwar etwas spät dran, aber es wäre im Sinne eines total trendigen Musikblogs absolut suizidal dieses Electronica-Folk-Meisterwerk nicht zu besprechen.

COVER

“Petula spricht von Honig, Melodien, Reduktion und Microsound und einem Schluck Licht”, sagen die Labelleute im Infotext über Cleemaans neuesten Streich. Das klingt für manche sicherlich eher nach minimalistischem Himbeerpop, als nach einer Platte die sich in Sachen Komposition und Songwriting hinter nichts und niemandem verstecken muss. Petula schafft es mit feinster Loop-Technik wahrhafte Klangflächen zu gestalten, eingängige Gitarrenmelodien draufzupacken und mit teils hauchzartem Gesang etwas zu kreieren, dass mit dem Begriff „tiefgehend“ noch nicht ansatzweise beschrieben wäre. Zusammen mit Oliver Stangl (Missouri / Clickclickdecker) wurden die Songs in der Abgeschiedenheit der erzgebirgischen Einöde eingespielt, was man im positiven Sinne durchaus glaubt zu spüren: zwar nebulös verschwommen aber stets mit Ausblick versehen.

Die Autorin kann sich nicht gerade als große Freundin experimentieller, aufs nötigste reduzierter Looperei bezeichnen, doch die 12 Tracks lassen einen schlichtweg nicht mehr los. Hier entfaltet sich von Stück zu Stück eine neue Schönheit, eine neue Welt, die zwar oft nicht griffig erscheint, sich jedoch einprägt. Eine nicht nur musikalisch verworrene Reise wird hier angetreten. Auch die Texte schwingen, getreu dem Motto „Every cherished memory is the death of somethin new“, zwischen dem was war, ist und sein könnte und all den damit auftauchenden Fragen.

Don’t Forget Me, Petula! Don’t Forget Everything, Petula! kann allen hoffnungslosen Romantikern und Detailverliebten aller Art ans Herz gelegt werden, ohne selbst hoffnungslos zu sein. Dieses Album ist ein 44 Minuten währender Traum der ungeahnte Stimmungen und Gefühlswelten bereit hält, bspw. wenn einem das Stück „Sing!“ plötzlich ganz unentspannt entgegenpoltert. Und wer sich am Ende von „Laika“ nicht in das schaurig schöne Knistern verliebt, der hat vermutlich auch noch nie glückseelig die Nadel eines Plattenspielers aufs Vinyl gesenkt.

PRESSEFOTO01-by Sophie Krische

Fazit: Klirrendes Erinnern und flirrendes Vergessen als Bedingung allen Erfahrens, erweitert um das unheilvolle Zweifeln, welches es zu zerreiben gilt, umhüllt von beklemmend tiefgründigen Klangstrukturen, die viel Platz lassen um den Hörer von Mal zu Mal weiter von allen möglichen Antworten zu entfernen. Die braucht es auch gar nicht, alles was hier benötigt wird ist die Repeatfunktion.

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