Plattencheck: Ian Fisher & The Present – Ian Fisher & The Present

Musik ist dann perfekt, wenn man an den Lyrics keine Silbe ändern möchte, dass Instrumentelle unendlich mehr hergibt als nur die Summe der einzelnen Teile und eine Stimme dich derart bearbeitet, dass am Ende im besten Fall nicht mehr von dir übrig bleibt, als ein seliges Lächeln. Ian Fisher macht solche Musik und veröffentlicht am 14. März (digital bereits am 01.März) zusammen mit Ryan Thomas Carpenter aka The Present ein meisterhaftes Album, welches nicht einfach nur gekauft und gehört, sondern vor allem verstanden werden sollte. 

© by Jarred Gastreich / Anna Kohlweis

© by Jarred Gastreich / Anna Kohlweis

Die Qualität des selbstbetitelten Debütalbums der beiden Globetrotter Ian Fisher und Ryan Thomas Carpenter misst sich nicht allein an dem vollkommenen ineindergreifen eindrucksvoller Stimmen, der packenden Eigendynamik oder durch die in brillante Harmonien gehüllte Gefühlswucht, es ist vielmehr das Produkt zweier Freunde (drei, nimmt man Produzent Ben Majchrzak dazu), die das tun was sie von Natur aus am Besten beherrschen: Geschichten erzählen.

Aufgenommen wurden die 9 Songs innerhalb von fünf Tagen in einer von Ian Fisher und dessen Vater selbstgebauten Holzhütte auf der familieneigenen Farm in Missouri. Einer Art Zuhause. Überhaupt ist das Zuhause, dass eine Heimat haben oder suchen ein zentrales Thema in Fishers Texten. Immer on the road, immer auf einer Suche, die eigentlich keine ist, sondern längst die Antwort.

Where am I going
Why do I go
And what’s the use of knowing
When you don’t wanna know
— Why Do I Go —

I guess a man could have many homes
I guess thats different then homeless
And I suppose I am not alone
But that don’t make me less restless
— Autobiographies —

Ebenso wie die Angst, die ja gerade diejenigen am meisten überkommt von denen man es als Außenstehender am wenigsten erwartet. Angst vor Zurückweisung, Versagen, Einsamkeit, Nähe, dem Ich und man ahnt es, auch die Angst vor der Liebe – das Leben ist ein Zwiespalt, ein ständiges sich entscheiden müssen und all dies zusammen vermutlich der wichtigste Antrieb und die eigentliche Substanz der Lieder und eines Sängers, der tatsächlich den Weg als Ziel begreift. Und wie könnte man diesen Weg frei von Zweifeln überstehen? Überhaupt nicht! Hier kann der Zweifel nur Methode haben und als Motor für Veränderungen dienen, solang die Selbstzweifel nicht überhand nehmen.

Change your heart
Change your mind
I’ve been through so many changes I can’t decide
What’s my heart and what’s my mind
And what’s just a part of these changing times
— Change Of Heart —

I am just a fool
And you are foolish to love me
But unlike me you love yourself
So it’s hard for you to understand
I can’t love someone else
— Doubt —

© Jarred Gastreich

© Jarred Gastreich

Ian Fisher erfindet das Genre Folk/Americana nicht neu. Das wäre ohnehin unnötig. Wer ihn jedoch schon auf einem seiner unzähligen Konzerte erleben durfte, weiß, er bereichert das Traditionelle um etwas, für das die deutsche Sprache keine ausreichenden Worte bereit hält. Es müsste einen Begriff geben der Leidenschaft, Dynamik, Hingabe und Lebendigkeit zusammenfasst, aber ach, selbst der wäre wohl nicht beschreibend genug. All das auf eine Platte zu transportieren ist mehr als schwierig, gelingt in diesem Fall aber ohne jeden Wertverlust. Und so erwarten den Hörer schonungslos ehrlich erzählte Geschichten voller Melancholie, die das Umherwandern mit allen dazugehörigen Irrungen und Wirrungen, Fragen und Selbstreflexionen aufs höchste zelebrieren.

Ian Fisher und Ryan Thomas Carpenter gehören zu den Menschen, die uns mit ihrem Leben und Schaffen eines deutlich beweisen: es kommt nicht nur auf das Sein an, es ist das Werden, dem wir Bedeutung schenken sollten. Es ist das Suchen und Finden dessen, was uns antreibt, was wir wirklich können und wollen. Alles was daraus entsteht, ganz gleich was es auch sein mag, ist eine Hommage auf das Gute und Schöne und am Ende vielleicht die aufrichtigste Liebeserklärung an das Leben als solches.

Fazit: Wenn man so will sind Ian Fisher & The Present die Reunion dessen was man als Kind im folklastigen Plattenschrank der Eltern entdeckt hat und dem was zwei unverschämt talentierte Vertreter unserer Generation als Weiterentwicklung dazu beitragen können – und das ist glücklicherweise mehr als die moderne Variante des Selbstzweifels.

Nützliches im Netz:
Homepage
Facebook
Bandcamp

Auf Tour:

            DATE

COUNTRY: CITY VENUE
FEB 27 WED Austria: Vienna Bockkeller
MAR 7 THU Germany: Berlin

Privatclub

MAR 13

WED

Switzerland: Zürich

Bar Rossi

MAR 19

TUE

Germany: München

Feierwerk w/ Tim Neuhaus

MAR 20

WED

Germany: Konstanz

Kulturladen w/ Tim Neuhaus

MAR 21

THU

Germany: Frankfurt sankt peter CAFE w/ Tim Neuhaus

MAR 22

FRI Germany: Tübingen Sudhaus w/ Tim Neuhaus

MAR 23

SAT Germany: Saarbrücken Garage w/ Tim Neuhaus

MAR 24

SUN Germany: Köln Melodica Festival w/ Tim Neuhaus

MAR 25

MON Germany: Düsseldorf

Forum Freies Theater w/ Tim Neuhaus

MAR 26

TUE Germany: Münster Gleis 22 w/ Tim Neuhaus

MAR 27

WED Germany: Göttingen

Junges Theater w/ Tim Neuhaus

MAR 28

THU Germany: Hagen

Kulturzentrum Pelmke w/ Tim Neuhaus

APR 02

TUE

Germany: Leipzig

Werk 2 w/ Tim Neuhaus

APR 03

WED

Germany: Erfurt

Museumskeller w/ Tim Neuhaus

APR 04

THU

Germany: Berlin

Postbahnhof w/ Tim Neuhaus

APR 05

FRI

Germany: Hannover

Lux w/ Tim Neuhaus

APR 06

SAT

Germany: Bremen

Tower w/ Tim Neuhaus

APR 07

SUN

Germany: Hamburg

Knust w/ Tim Neuhaus

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