Plattencheck: Patrick McCranc – Royal Canaries

EuropeanRichKids auf majestätischer Musikmission

Es ist schwierig zu beantworten, was Patrick McCranc und seine adeligen Vögel eigentlich wollen. Auf diesem Album schwingt so viel Musikgeschichte mit, tanzen sich so viele Musikeinflüsse und Instrumente in den Gehörgang, dass sich die Frage nach dem Hintersinn unwillkürlich aufdrängt. Vorallem wenn das Stigmata des „BritRock“  als Damoklesschwert über allem schwebt. Eine kurze Review über ein selbstverliebtes Schlitzohr und seine musikalischen Auswüchse, verfasst von einer kopfschüttelnd begeisterten Autorin, die ausnahmsweise das Wort „geil“ in ihren Text einfließen lässt.

Royal Canaries Cover

Royal Canaries Cover


Patrick McCranc inszeniert sich. Der selbsternannte Egomane und Leadersänger der Royal Canaries weiß, was der gleichgestutzten Musikwelt, nicht erst seit der Trennung von Oasis, fehlt: völlig überzogene, zur Schau gestellte Selbstsucht. Auf den Pressefotos wirken die drei Bandmitglieder wie das Paradebeispiel des verbrauchten european rich kids, das auf Grund von zu viel Zeit und zu viel Langeweile mal eben ein Album produziert hat.

Patrick McCranc And The Royal Canaries

Patrick McCranc And The Royal Canaries

Das dies nicht nur bildhaftes Bandimage ist, wird schon beim Intro zum energetischen Velvet Collar klar, wenn in dröhnender Boxkampfatmosphäre ein Ringrichter das unmissverständliche Ziel verkündet:

„Ladies and Gentlemen,
‚Rock Your Soul‘ proudly presents Royal Canaries!
You guys know the rules. I want a good, clean fight
and now rock!“

Understatement sieht anders aus. Aber das hat der 1/4-Schotte-McCranc aus der fränksichen Provinz auch gar nicht nötig. Hier werkelt ein Experimentalist, zusammen mit Meike Strawberry (Bass) und Pete The Beaver (Drums), an einer sehr eigenen Interpretation von Rock’n (Brit) Roll, die vermutlich nichts für sanfte Gemüter ist. Überhaupt braucht man für die zwölf Tracks umfassende Scheibe mehr als nur Liebe zum Detail. Ein bisschen Sinn für Ironie muss der Hörer schon mitbringen um in den vollen Genuss zu kommen.

Mal abgesehen davon, dass sich hier Instrumente finden, von denen die Autorin bis dato dachte es wären Drogenpfeiffen für spirituelle Okkultismustreffen (Ashanti Flute?!?!), wird von Mundharmonika (Monochrome) über Tuba (Druck Driving Song) bis hin zu Bongos (Ode To Sheffield) und Punkelrockelementen (Mortage Backed Security) derart wild gemischt, dass man ob der Überladenheit und McCrancs arrogant akzentuierter Charakterstimme, sogar allein im heimischen Wohnzimmer, lautstarken Szeneapplaus geben möchte.

Apropos Stimme. Hier liegt wunderbar viel Wut, Argwohn, Überheblichkeit und Ironie in der Luft, welche laut Presseinfo zwischen Sturm und Drang oszilliert.  Patrick McCranc und seine Canarien wollen sich nicht festlegen, nicht anbiedern, schon eher anklagen und ganz sicher auch provozieren – wie in A Guide To The Perplexed. Hier werden in 2 Minuten und 52 Sekunden die gängigsten Deutschland-Klischees benannt. Die Bretzel, die Bratwurst, das Sauerkraut – wir sind halt doch nur „Germans on the run“. Wer sich da angegriffen fühlt sollte sein Selbstbild und das worüber er sich definiert evtl. mal überdenken. Womit man wieder bei den Fragen landet, die das Schlitzohr von Sänger einem aufhalst und vielleicht die tiefere Größe des Albums ausmachen. Hier gibt es keine Antworten – was beim Konsumenten übrig bleibt sind in Widerspruch gesetzte Fragezeichen und der Wunsch, diese drei jungen Menschen mögen niemals auf den musikalischen Boden der Tatsachen zurückgeholt werden, haben sie doch bewiesen, dass auf dem schmalen Brett zwischen Genie und Wahnsinn durchaus Platz für eine royale Residenz ist.

Selten hat ein Album das Prädikat „Abwechslungsreich“ so sehr verdient wie Royal Canaries, ganz ohne sich beim Spagat durch die Jahrzehnte der Musikgeschichte zu verbiegen. Dieses Werk ist zugleich ein rotziges Manifest und eine jubelierende Ode an die innere Zerrissenheit, die Liebe, das on-the-road-sein und vieles mehr.

 
Fazit: Britpop meets Britrock meets Rock’nRoll meets Brit’nRoll-Country meets Handclapsongs meets WHAT THE FUCK. Das ist – endlich mal kurzgesagt – ziemlich geiler Scheiß!

Nützliches im www:
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Homepage

Tourdaten:

09/02/13 21:00 G´wölb Kastl Royal Canaries Tour
15/02/13 20:00 Feierwerk Munich Royal Canaries Tour  –  Highlight Flowerstreet Records
26/02/13 20:30 Café Ludwigs Nürnberg Royal Canaries Tour
01/03/13 20:30 Irish Pub Bornheim/ Frankfurt Royal Canaries Tour
02/03/13 20:30 Cooper´s Neumarkt Royal Canaries Tour
16/03/13 21:00 Café Bohne Ilmenau Royal Canaries Tour
17/03/13 21:00 Flyers Pub Ansbach St. Patrick’s Day Special!!!
30/03/13 21:00 Feierwerk Munich Flowerstreet Festival
27/04/13 19:00 Spektrum Ansbach Royal Canaries Tour
27/04/13 20:00 Alte Wäscherei – Berlin Royal Canaries Tour
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