Love&Fist – Last Days In Country EP

„In the beginning, love&fist was created.
This made a lot of people very angry and has been widely regarded as a bad move.“

Was Sie hier lesen, lieber Musikblogkonsument, ist weder ein Verriss noch der Versuch der Autorin möglichst großspurige Worte der Einleitung zu finden. DAS ist die selbstentworfene* Bigorafie der Gruppe Love&Fist. Und wer jetzt denkt „da bin ich aber mal gespannt, so schlimm wird’s schon nicht sein“, dem sei an dieser Stelle verraten, dass die Herren Kubizek und Deisenberger als Einflüsse auf ihr musikalisches Schaffen u.a. das Leben, Douglas Adams, Roy Black und Udo Jürgens angeben. Aber bitte nicht gleich das Handtuch werfen, ehe die wirklich große Frage des Universums beantwortet werden konnte – Warum sollte man Last Days In Country unbedingt erwerben?

Last Days In Country EP

Last Days In Country EP

Bedenkt man, dass die wahre Entstehung dieser Band eine verqualmte Bar und diverse Getränke auf Ethanolbasis beinhaltet, wird einem klar, dass der Begriff „Schnapsidee“ völlig zu Unrecht in negativen Zusammenhängen genutzt wird. Jakob Kubizek und Stefan Deisenberger (Naked Lunch), beide ebenfalls Mitglieder des Musikerkollektivs Nowhere Train, verbindet ein gemeinsamer Werdegang und das ehrbare Ziel, die Welt mit gepflegtem (Indie-) Pop zu heilen.

Was mit dem Opener Wasting My Time durchaus eindrucksvoll gelingt, wenn Kubizek schon beim ersten Satz dem Hörer mit der Frage zusetzt, warum er denn nicht gehe, wenn er doch gehen möchte um später kein bisschen dramatisch anzufügen:

„Your eyes make me dizzy
And your smile it makes me cry
To say I’m in love would be a lie“

Last Days In Country umreißt in vier Songs Altbewährtes: Trennung, Abschied,(Wieder-) Vereinigungen, Liebe, Selbstfindung, Neuanfänge. Ein pathetischer Tummelplatz für all jene die gern und viel Nachdenken, für die Melancholiker unter uns. Jedoch wird man auf der EP vergebens nach pathosüberladenen Textspielereien und überinstrumentalisiertem Radiopopgeschwurbel suchen. Was Jakob Kubizek mit seiner Stimme veranstaltet muss ihm erstmal jemand nachmachen. Das ist so herrlich unaufgeregter, teils schleppender Gesang der ganz beiläufig vereinnahmt, feinsinnig umhüllt von mal freundlich daherrauschendenden, mal düster angehauchten Popmelodien mit prägnanter Country/Folk-Färbung.

Besonders deutlich – und hiermit ganz offiziell der ultimative Anspieltipp – wird dies beim Track My Hometown. Schon Douglas Adams schrieb dereinst den denkwürdigen Satz: „It is no coincidence that in no known language does the phrase ‚As pretty as Steyr‘ appear“, oder so ähnlich. Das Duo, der oberösterreichischen Provinz entsprungen, verarbeitet hierin das für sicherlich Viele ambivalent besetzte Thema des Zurückkommens in heimische Gefilde.

„I was far gone now I am here
You still watch me with eyes of fear
Like a stranger you’ve always known
But never seen before“

Noch besser als das Lied ist höchstens das dazugehörige Video im Suburbstyle mit Kronenattitude:

Was das mit dem Leben zu tun hat ist offensichtlich. Inwiefern Roy Black und Udo Jürgens involviert sind, kann und möchte die Autorin weder beantworten noch wissen. Um aber abschließend die eingangs gestellte Frage zu beantworten: diese EP sollte in Lichtgeschwindigkeit gekauft werden, weil selten derart charmant über Veränderungen, das Nachhausekommen und Abschiednehmen gesungen wird und dabei nach nur 10 Minuten das behagliche Gefühl einer freundschaftlichen Umarmung zurücklässt.

Fazit: Was soll man noch sagen über eine Band, die selbst als Genre Healing angibt? – In diesem Fall, dass sie untertreibt. Love&Fist sind ein Glücksfall für alle, die sich nie mit „42“ als Antwort abgeben konnten und/oder ihr Herzblut gerne mit tiefgründiger, gut durchdachter Popmusik in Wallung versetzen.

Facebook
Bandcamp
Soundcloud

Label: Seayou Records
Genre: Universell einsetzbarer Post-Heal-Pop

Tracklist:
1. Wasting My Time
2. My Hometown
3. Behind The Times
4. Say Goodbye
* vgl. Douglas Adams – Per Anhalter durch die Galaxy

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s