Plattencheck: Albrecht Schrader – Jill McBain EP

Der Mann, den sie Albrecht Schrader nennen, dürfte dem einen oder anderen Szenekenner als Kurzzeitmitglied der wichtigsten Kulturimpresarios deutscher Indiepop-Musik der Kategorie Himbeersirup, namentlich Anajo, bekannt sein. Schon bei deren letzter Tour konnte Schrader als Support  begeistern und erste Fans, wie wir uns gerne nennen, sammeln.

Jill McBain Cover

Jill McBain EP

Jill McBain heißt die sechs Titel umfassende erste EP des Hamburgers und zunächst erwecken die Stücke den Eindruck, man müsse ein Freund bitterlichster Traurigkeit und kräftigen Rotweins sein, um die volle (Kater-)Wirkung der Musik genießen zu können. Jedoch schafft es Schrader die teils verkopfte Schwere seiner Texte mit der Leichtigkeit klarer Melodien zu ummanteln, wie ein mit Lebensmut ausgestatteter, nicht improvisierender Keith Jarret  nach Beendigung einer großen Liebe.

Bereits der Opener Ich spiel für dich Klavier macht deutlich, welch lyrisches Talent in Schrader steckt. Er zeigt, dass es weder großer Worte noch der in Popsongs gern verwendeten überzogenen Vergleiche bedarf, um die Höhen und Tiefen, Ängste und Wünsche, die Erwartungen und die Realität einer Beziehung zu umreißen.

„Meine Angst vor deiner Persönlichkeit,

deine Wut auf jede Gewöhnlichkeit,

unsere U-to-pie…“

Etwas hittiger massiert sich I would prefer in den Gehörgang des arglosen Hörers, welches textlich ohne Weiteres aus der Feder Randy Newmans stammen könnte so uhrwerksgleich greifen Humor, Intelligenz und Tiefgang ineinander. Allein der Satz „Rotkäppchen packte ihr Brotpäckchen“ verdient Applaus. Außerdem könnte es zum fröhlichen Trinkspiel auf Akademikerfestivitäten avancieren, diese Textstelle fehlerfrei mitzusingen – bei Nichtgelingen wäre das exen eines metaxagefüllten Cognacschwenkers angemessen.
Doch bevor wir vom Wesentlichen abkommen, ein weiteres Indiz für das lebensnahe karikieren alltäglicher Situationen, welche dem einen oder anderen, an dem einen oder anderen Tag gern mal enthemmte Seufzer entlocken:

„Sehr spät am Abend //
trete ich aus deinem engen, kalte Hausflur hervor //
Die Vögel singen im Chor //
ach wie schön //
doch ich finde das nervt“

– Lyrisches Nichts spät Abends

Herrlich! Diese Lieder erlauben das Statement, es mit vertonter Lyrik zu tun zu haben, in der der Verfasser nicht subtil etwas vor sich hin meint, hier werden Aussagen getroffen. Und die sind persönlich – beabsichtigt oder nicht, Albrecht Schrader lässt den Hörer an sich heran und macht deutlich, dass seine/die eigenen Probleme eben doch nur solche sind, mit denen wir alle von Zeit zu Zeit kämpfen. Dies gipfelt im letzten Satz der Platte: Denn jeder findet Glück – für sich allein und man darf sich sicher sein, dass Ende der Hoffnung wurde nie aufbauender verkündet.

Fazit: Jill McBain verbindet die altbewährten Insignien der Melancholie mit dem nötigen Maß an unaufdringlichem Humor, den es braucht, Tristesse nicht nur erträglich sondern überaus heilsam wirken zu lassen. Also doch bzw. auch etwas für Weinliebhaber, die an offen glimmenden Kaminen, in ihren geliebten Chesterfield Sesseln fletzend, die Worte „…mein Herz und dein Kopf und der schöne Schein…“ mitsäuseln möchten um seelig lächelnd ihre Seele zu laben.

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Ralf Klabenbeck
Soundcloud
Das beste Interview des Jahres

Release: 20.12.2012
Label: Strange Recordings
Genre: Post-Chason / Post-Klavier-Pop

Tracklist:
1. Ich Spiel Für Dich Klavier
2. I Would Prefer Not To
3. Woran Denkst Du Eigentlich
4. Für Mich, Für Dich
5. Lyrisches Nichts Spät Abends
6. Das Ende Der Hoffnung

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