Höllfield: Staub sollen Sie fressen und das mit Wonne

Die Autorin berichtet in kurzen, knappen Worten ihre übrig gebliebenen Festivaleindrücke. Die Reihenfolge der Bands ergibt sich strikt nach dem Zufallsprinzip. Auf geht’s:

 „Staub soll er fressen und mit Lust“, lässt Goethe seinen Mephisto in Fausts Himmelsprolog sagen. Ein in leicht abgewandelter Form durchaus treffliches Motto für das Highfield-Festival 2012. Flirrende Hitze. Schweiß. Vertrocknete Staublungen. Und jede Menge Nostalgie.

Sportfreunde Stiller: Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt – so zumindest steht es in der Bibel, wie der nicht getauften Autorin via Hörensagen übermittelt wurde. Den Sportfreunden wurde die überdimensionale, über den Dingen schwebende Bühnenkonstruktion ja angeblich von den Promotern aufgezwungen. Wirkte jedenfalls abgehoben. Stimmung konnte kaum ausgemacht werden. Schade. Um der alten Zeiten willen.
Sportfreunde Stiller

Kraftklub: Wirrer Front-Hans, der seine semi-bis-gefrierpunktlustigen Ansagen mit “äh…also…free Pussy Riot“ auch noch politisch und gesellschaftlich in Richtung absolute Lächerlichkeit zieht. Abfeiertechnisch jedoch ganz großes Damentennis. Vorallem bei „Liebe“, entwickelt der Satz „..wenn du mir was bedeuten würdest. Tust du nicht!  Ich lieb dich nicht und es ist gut wie es ist.“ geschrieen und im permanenten Ausweichmanöver umherirrender Ellbogen und zumeist dranhängenden 17-jährigen doch eine ganz bezaubernde Eigendynamik.

H-Blockxxx: Leben noch. Man munkelt: zu Recht. Sehr nostalgisch die ollen Schinken mal wieder zu hören. Little Girl zum Beispiel. Könnte man bei sich wohl nie bietender Gelegenheit aus den verstaubten Untiefen des CD-Schranks kramen. Oder man lässt es gut sein.

The Shins: Sinnraubend-romantischer Sonnenuntergang. Wild gefärbte Schäfchenwolken. Entspannte Menschen. James Mercer. JAMES MERCER!!!! New Slang. Epic! Hätte man zeitlich nicht perfekter ansetzen können. Ich für meinen Teil kann nun ohne Bedenken von dieser schrecklich schönen Welt abtreten. And the rest of our lives would ‚a fared well.

Wombats: Indie-Reloaded. Sich an die guten alten Zeiten erinnern. Tanzen. Lachen. Froh sein, dass Indie tot ist. Weitermachen.

LaBrassBanda: Vom Bauerndepp zum Bayerndub. Polonaise zur Hauptbühne, überraschte Gesichter, fliegende Körperteile, Liebe und nichts als Staub….bayerischer Techno is effing rad.

Bonaparte: Bondage-Ballett-Elektro-Rock-Pop-Kostüm-Peep-Show, jeder stark übergewichtige finnische Battle-Metaller erzeugt mit einer 80er Jahre-Classic-Rock-Standard-Geste mehr Sex oder zumindest erotisches Knistern als das Computer-Männchen leckt Computer-Weibchen bei „Computer Love“ oder die sich selbst strangulierende Halbnackte. Dem männlichen Begleiter an Autorins Seite hat‘s natürlich gefallen. „Das war Anarchie!“ Is‘ klar.

Bullet For My Valentine: Vom Zelt aus „erlebt“ – reicht völlig.

Dispatch: And again – noch einmal oder wieder jung sein. Sonniger Reggae/HipHop-lastiger College-California-Rock. Will man lieber mit dem oder der Liebsten beim Autofahren hören – dennoch ein angenehmer Einstieg für den Samstagnachmittag. Die drei Amis liefern bei ihrem ersten Festivalauftritt in Deutschland eine zu erwartende Gute-Laune-Show ab. Thank you for giving us 12 years to practice for the new album – Gern geschehen!

Bosse: Der dicke Mann will singen. Tut er dann auch. Und wie! Bosse schafft es mit, im positivsten Sinne des Wortes, schlichtem Poeten-Pop der packt und rüttelt, eine unerwartet große Menge vor der GreenStage zu beeindrucken. Und was für tolle Lyrics sich da auf dem aktuellen Album „Wartesaal“ finden:
Der Tag ist ein Katapult
Er zerschießt die Träume
Der erneut in wildem Orangerot gefärbte Abendhimmel tut sein Übriges dazu.  Danke für die Gänstehaut – Gern geschehen!

Kettcar: Kettcar sind Kettcar sind Kettcar. Wie sollte man das je in Worte fassen können. Zu viele Emotionen, Erinnerungen, Eindrücke – zu viele große Träume.
Wenn das der Frieden ist, musst du den Krieg nicht noch erfinden. Wenn das der Frieden ist, lass niemals Krieg sein. Natürlich mit bestem Gruß nach Russland und endlich wurde etwas gesagt, dem nichts hinzuzufügen ist.

Beatsteaks: Frontfee Arnim ist unbestreitbar der einzige Mann auf Gottes Erden, der selbst in einer roten Hose mehr geile-Drecksau-Aura verbreitet als alle anderen Wesen seiner Spezies zusammen². Im Rausch freigesetzter körpereigener Drogen, hat Autorin ein Gedicht verfasst. Es ist getrieben von poetischer Schlichtheit und subtiler Aussagekraft:

Arnim.
Arnim. Arnim. Arnim. Liebe.
Arnim. Liebe. Arnim. Liebe.
Liebe. Arnim. Arnim. Arnim.
Arnim. Liebe. Liebe.

Was soll man mehr noch sagen? Außer: You say the action is go, I say it’s out of
control, while they are playing songs of love…

Green Camping: Auch Rentnerzelten, Biokomune oder Öko-Oase genannt. Zelten für den umweltbewussten und gemäßigten Festiväller. Obwohl der nach Bagdad aussehende restliche Teil des Campinggeheges auch oder gerade wegen des starken Uringeruchs einen gewissen Live-Fast-Die-Young-Charme versprühte, ist dieses mit Aufräumen verbundene etwas andere Zelterlebnis durch und durch empfehlenswert.

Autorin gesteht an dieser Stelle freiwillig auf The Gaslight Anthem, The Black Keys und Placebo verzichtet zu haben. Findet jedoch: Wenn man so weit ist, dass gesundheitliche Aspekte vor Konzerthighlights dieser Art gehen, ist es Zeit professionelle Hilfe aufzusuchen. Sie tat dies 6 Tage später auf dem BootBooHook. Mehr in Kürze…

Fazit: Schrecklich amüsant – aber in Zukunft ohne mich.

PS: Wir bedanken uns bei Petrick für die Fotos, bei Ali für den unerwarteten Humorfaktor und einer gelben Sau namens Sonne – für alles was war.

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