Plattencheck: Lasse Matthiessen – Dead Man Waltz

Bittersüße Symphonien für Alltagsträumer:
Das putzige Dänemark, welches von jeher den Übergang Mitteleuropas zu Skandinavien bereitet, ist für so manches bekannt: die kleine Meerjungfrau, radfahrerfreundliche Urlaubsgebiete, wilde Karikaturenstreitereien, Lars von Trier und den legendären EM-Sieg 1992. Aber auch in Sachen Musik hat dieses kleine Land einiges zu bieten. Man denke zu aller erst an Aquas „Barbie Girl“ (na, Ohrwurm im Kopf?!), Volbeat, The Raveonettes, Trentemoeller, Laid Back (für die Älteren), Gitte Haennig (für die ganz Alten) oder die Tiger Tunes. Da fragt man sich doch schlagartig: wo bleiben die Singer- und Songwriter, wo doch gerade Dänemark ebenso viel Gitarre-und-Strand-Feeling zu bieten hat wie Hawaii, nur mit schlechterem Klima, was zumindest der Melancholie zuträglich sein sollte? Die Antwort auf diese Frage, man ahnt es bereits, wird kommende Woche im deutschsprachigen Raum veröffentlicht. Das Album nennt sich „Dead Man Waltz“, der Interpret Lasse Matthiessen.
Dead Man Waltz„Dead Man Waltz“ ist das zweite Album des in Kopenhagen und Berlin lebenden Sprachtalents und so viel sei schon mal verraten – Dänemark sollte seinen Wikipediaeintrag über wichtige Musiker des Landes schleunigst um diesen jungen Mann erweitern, denn Matthiessen beherrscht sein Metier, was diese elf Tracks umfassende Platte eindrucksvoll beweist. Und es scheint so einfach – man nehme eine Akustik-Gitarre, schare talentierte Musiker um sich und nutze die charmante Herzensbrecherstimme für authentische Texte mit Seele und Verstand – fertig ist ein Werk, bestehend aus bittersüßen Symphonien für Alltagsträumer und Seelenbummler.

Lasse Matthiessen
Matthiessen beschreibt mit seinen Texten die kleinen Lebensausschnitte mit denen wir uns vorwiegend beschäftigen: Liebe, Hoffnung, die (eigene) Vergangenheit, Erlebnisse und Erfahrungen, das Große im Kleinen. Zeitweise kryptisch, dann wieder konkret – aber vor allem schafft er Bilder. Die Sorte, die erhalten bleibt, wenn die Musik schon längst verstummt ist.
Beispielsweise der Opener „Celluloid“ lädt den Hörer nicht nur freundlich nach Paris ein, er katapultiert ihn unweigerlich in die schwarz-weiß-verschlingende Variante der Weltstadt. Mehr noch, Zelluloid – bekannt als erste Thermoplaste der Welt – ist  „…Kunst(-Stoff) der sich in einem bestimmten Temperaturbereich verformen lässt. Dieser Vorgang ist reversibel, das heißt er kann durch Abkühlung und Wiedererwärmung bis in den schmelzflüssigen Zustand beliebig oft wiederholt werden“ – und ich habe lange überlegt, aber viel treffender kann man die Gefühlslage (mal heiß, mal kalt, dabei immer formend) beim Hören „Celluloids“ wirklich nicht beschreiben.

Nicht weniger einnehmend ist das Titelstück „Dead Man Waltz“. Da  erklingt die Zeile „just make sure to get lost…“ – was für eine traumhaft simple Devise für all jene die der tiefen Empfindung noch fähig sind. Diese Zitatschlacht lässt sich in beliebiger Vielzahl weiter fortführen, was der Länge dieser kleinen Rezension dann doch eher schaden würde und man soll ja auch nicht gleich alles verraten. Musikalisch erinnert Matthiessen an die großen Namen der alten und neuen amerikanischen Singer- und Songwriter-Helden, ein fürs Protokoll nötiger Vergleich, der wie üblich alles und nichts aussagt. Denn wie so oft kann man nun anfügen, dass trotz gewisser Ähnlichkeiten das Eigenständige, the-lasse-way-of-life, im Vordergrund steht. Man kann das Typ-mit-Gitarre-Rad nicht neu erfinden, muss man auch gar nicht. Lasse Matthiessen verfügt über die Gabe entwaffnender Ehrlichkeit, in Ton und Text – etwas das nicht immer verkopft und kompliziert, gar schlaumeiernd daher kommen muss. Es ist, was es ist – aufrichtiger, gut durchdachter und wunderschön arrangierter Akustik-Folk der zu überraschen weiss, wenn sich beispielweise plötzlich Jazzelemente entdecken lassen, hier und dort Vibraphon, Tuba und Harmonika ihren Auftritt erhalten oder der mahnende Titel „Don’t Fall In Love“ bedeutungsschwanger von einem Akkordeon getragen wird (übrigens weltweit vermutlich der einzige Song in dem Halle (Saale), Leipzig und Berlin erwähnt werden). Allein deshalb schon ein Hörerlebnis.

And I’ve talked to the beggers,

and to the thiefs and to the pirates and I

feel at home next to them.

Fazit:
Ein Album für Freunde von Sufjan Stevens, Bon Iver oder artverwandten Akteuren der Kategorie „melodischer Singer-Songwriter-Kram“. Mit Lasse Matthiessen möchte man Nächte lang am Lagerfeuer sitzen oder ihn samt Band auf die Rückbank eines verbeulten VW Busses packen wenn man über Landstraßen durch die Prärie reist – meinetwegen sogar durch Dänemark.

Release: 27.04.2012
Label: Solaris Empire
Genre: Akustik, Folk, Singer/Songwriter

Tracklist:
1.
Celluloid
2.
This City
3.
Black Queen
4.
In The Dead Of The Night
5.
Dead Man Waltz
6.
Oh, Ulysses
7.
Don’t Fall In Love
8. Chasing Wolves
9.
Dragons Fly
10. Leave Today
11. This Time Of Year

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