Plattencheck: Vanda – On The Tip Of A Leaf (EP)

Beginnen wir diese Rezension heute mal mit einer total neuen und unangenehmen Wahrheit:

„The music business is a cruel and shallow money trench, a long plastic hallway where thieves and pimps run free, and good men die like dogs. There’s also a negative side.“
– Hunter S Thompson

Vom fressen und gefressen werden kann die folgende Band sicherlich einiges berichten. Knapp sieben Jahre dauert bereits die bewegte Geschichte der Gruppe Vanda, die – wenn ja wenn – diese Musikindustrie ein bisschen mehr Weitblick und Mut hätte, längst fernab von EP-Produktionen künstlerisch wirken könnte. Diverse „Mini-CD“ Releases und ein dritter Platz beim f6 Music Award (hinter den glattgebügelten Polarkreis 18) sowie folgende Lobhudelei des The Cure und Depeche Mode Produzenten Steve Lyon scheinen Plattenfirmen oder alternativen Radiostationen nicht zu reichen um sich mit den Dresdnern im größeren Stil auseinanderzusetzen:

„The guys with the most international sound played by a mid-european band, I‘ve heard for a very long time!“

Große Worte, ohne größere Folgen. Vanda begannen 2005 mehr oder weniger kurzfristig ihre Bandkarriere, konnten auf Anhieb Erfolge verbuchen und zwischen 2006 und 2008 mit zwei EP-Produktionen begeistern. Doch hoffnungsvolle Kooperationen mit Labels (EMI) und renommierten Bookingagenturen scheiterten, so dass die Band sich in Zuge dessen fast vor dem Aus sah. Es folgt die Neuformierung, die EP Why Do We Stare, Even When We Don’t Want To und erneute Lobeshymnen, beispielsweise von motor.de sowie eine Vielzahl beachtlicher Liveauftritte im Jahr 2011 – ganz ohne Bookingagentur. Und nun halte ich also die vierte EP On The Tip Of A Leaf in Händen – die im Rahmen eines Crowdfundingprojekts der Plattform Vision Bakery überhaupt erst möglich gemacht wurde und bereits durch ihr wunderschönes Design begeistert.

Sanft schlägt Sängerin Anja die ersten Zeilen an. Düster kommen diese zunächst daher, steigern sich aber rasch  zu einer treibenden Rocknummer. All Of Me Is Yours To Claim heißt der Opener und kann getrost als Aushängeschild der von Vanda selbst gewählten Musikkategorie herhalten: Indie-Electro-High-Energy-Synth-Rock! Kann man durchaus so stehen lassen. Mein Favorit Face It Out ist sicherlich etwas zurückhaltender, jedoch wippt und nickt man auch hier schon nach kurzem hören unwillkürlich mit um sich im Verlauf der vier Minuten von den wartenden Feinheiten des Songs überraschen zu lassen. Kompakter Sound der immer wieder neues bietet. So auch All Eyes Open und Dust, die wohl als Vandas Interpretation einer Ballade gewertet werden können: gediegener Anfang, eine traumhafte Stimme, tragende Synthie-Unterstützung, die sich im Chorus zu intensivieren weiß. Die Kunst sich verschiedenster Genre zu bedienen, dabei eigenständig zu klingen und den Zuhörer mit ideen- und temporeichen sowie gefühlvollen Melodien ganz einzunehmen gelingt Vanda auch mit On The Tip Of A Leave beispiellos.

Geplant sind in naher Zukunft vor allem ansprechende Videoproduktionen, auf die man mit Sicherheit gespannt sein darf. Bis dahin schon mal ein kleiner Vanda-Vorgeschmack:

Vor dem obligatorischen Fazit möchte ich aber noch die älteren Produktionen anwerben, welche hier zu finden und ebenso hörenswert sind: Bandcamp

Fazit:
Gut strukturierte, energiegeladene EP die sich bestimmt nicht als Hintergrundgedudel anbietet sondern ganz bewusst ausgekostet werden sollte. Vor allem Live sind Vanda sehr zu empfehlen.

Release: 11.01.2012
Label: Unsigned
Dauer: 18 Min.
Genre: Indietronic, Indiepop, Indie-Electro-High-Energy-Synth-Rock

Tracklist:

  1. All Of Me Is Yours To Claim
  2. Face It Out
  3. All Eyes Open
  4. Dust

Mehr, mehr, mehr:

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2 Gedanken zu „Plattencheck: Vanda – On The Tip Of A Leaf (EP)

  1. Release: 11.01.1012 🙂
    Ich muss zugeben, von dieser Band noch nie etwas gehört zu haben (im wahrsten Sinne), werde sie jedoch gerne eine Zeit lang verfolgen und sehen, ob sie mit dieser EP den Sprung schaffen.
    Danke fürs Zeigen!

    • Man, man, man – ich sollte aufhören Nachts zu arbeiten 😀 EP-Namen konsequent falsch schreiben und dann das Releasedatum um 1000 Jahre zurück versetzen – peinlich, peinlich 🙂

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