Town Of Saints & Ian Fisher – Bürgerbahnhof Vohwinkel, Wuppertal – 27. Januar 2012

So long it’s been good to know you

Schon als Luke Leighfield im Bürgerbahnhof zu Gast war, konnte ich mit Sicherheit sagen, dass ich auch bei den nächsten Konzerten der Veranstaltungsreihe „Endstation Sehnsucht“ dabei sein würde. Denn nicht nur das musikalische Angebot, sondern auch die Location hatten es mir definitiv angetan.
Wann hat man schonmal die Gelegenheit ein Kulturzentrum zu besuchen das in einer ehemaligen (und durchaus umgestalteten) Fahrkartenausgabe beheimatet und dessen Atmosphäre sehr familiär ist? Nämlich nie, eigentlich.Und so stand der Entschluss fest. Ohne zu wissen, dass er sich als die beste Wahl zur Freitagabendgestaltung herausstellen würde. Zumal man auch hier die Möglichkeit hat, es sich auf dem ein oder anderen Sofa gemütlich zu machen.

Ein leiser Verdacht wie dieser Abend verlaufen könnte, beschlich mich dann aber doch als ich in der Vorankündigung Ian Fisher las. Denn dieser Name war mir dank YouTube nicht gänzlich unbekannt und so hörte ich ab sofort sein „Nowhere Train“ rauf und runter und machte mich schlau, wer denn der Support namens Town Of Saints sein mag. Das machte meine Vorfreude aber nur noch schlimmer. 🙂 Trotzdem hat ein solcher Abend den Charakter einer Sneak Preview – man weiss nicht, was man bekommt. Und gerade das macht das Entdecken neuer Künstler doch so interessant.

Der sehr große Schlaks im Karohemd, der nun die kleine Bühne betritt heisst Harmen Ridderbos, kommt aus Groningen/Niederlande und stellt sich als einen Teil von Town Of Saints vor. Seine Partnerin, die ansonsten in der Band die Violine spielt, weilt derzeit leider in Finnland. Aber auch solo wird uns Harmen nicht enttäuschen. Er und seine Gitarre bilden eine Symbiose. Unübertrieben. Dieser Mann hat nie etwas anderes gewollt als zu singen und Gitarre zu spielen, verdammt.

Das was wir da sehen macht einen ekstatischen Eindruck. Harmen singt und spielt sich dabei in Rage. So wirkt es zumindest auf mich. Beim Singen schliesst er die Augen und beeindruckt mich mit seiner klaren lauten Stimme, für die er in diesem gemütlichen Wohnzimmer-Flair eigentlich gar kein Mikrofon benötigt. Besonders schön klingt sie bei „Out On My Own“ und „Curtains“. Kleiner Wermutstropfen ist die Nicht-Anwesenheit seiner Band-Kollegin (und „wonderful Girlfriend“) Heta Salkolahti, denn die Titel, die ich nun live höre, klangen auf YouTube mit Violine fast noch schöner. Aber wir wollen nicht meckern, denn Harmen verdient für seinen Auftritt den größten Respekt. Das Publikum scheint zufrieden und entspannt. Und begeistert! Alternative Folk (Mist, da ist es wieder, das Schubladendenken!) mit Leib ;-), Herz und Seele. Die EP „Never Sleep“ mit sieben Titeln sollte man sich unbedingt zulegen. Links dazu findet Ihr am Ende dieses Berichts.

Während Town Of Saints eigentlich Ian Fisher supporten, frage ich mich, ob dieser Harmen’s Darbietung überhaupt noch toppen kann. Und stelle anschliessend fest, dass er das bestimmt könnte, wenn ich mich nicht schon längst festgelegt hätte, dass das eh nicht mehr möglich ist. 🙂

Es folgt eine kurze Pause bevor Ian Fisher die Bühne betritt. Nach dem ersten Ton des Mannes aus Sainte Genevieve/Missouri sind alle Anwesenden wieder aufmerksam. Kein Wunder bei dieser Stimme. Vor dem Konzert las ich, dass seine Songs auch durch Bob Dylan inspiriert sind und genau das höre ich jetzt heraus. Was aber auf keinen Fall heissen soll, dass Ian Fisher nicht seine eigene Musik macht. Aber Einflüsse von ganz großen Musikern sind erlaubt und gut. Meiner Meinung nach. Ians Art Gitarre zu spielen unterscheidet sich nicht wesentlich von Harmen. Es ist ebenso leidenschaftlich, dabei aber viel ruhiger – man möchte am liebsten gar nicht mehr weghören. Nein, bleib einfach da stehen, spiele und singe ewig weiter. 😉 Beeindruckt hat mich „Faceless“ und „Nowhere Train“, aber auch alle anderen Titel drängen sich förmlich auf häufiger gehört werden zu wollen. Ians aktuelle CD „Anchor & Chip“ wird während des Konzerts kräftig beworben und natürlich komme ich am Ende nicht drumherum sie mir zuzulegen. Welch ein Glück, sie ist wirklich wunderbar!

Der Abend neigt sich dem Ende zu und so spielen Ian und Harmen den Singalong-Song „So long it’s been good to know you“ gemeinsam und animieren die Zuschauer mitzusingen.

Insgesamt hat mich das Konzert absolut überzeugt. Was nicht nur an der heimeligen Atmosphäre des Bürgerbahnhofs liegt, sondern vor allem an zwei Vollblutmusikern, die es lieben auf der Bühne zu stehen und zu singen – völlig egal wie groß oder klein das Publikum ist. Und das muss ihnen erstmal jemand nachmachen.

Thanks to Ian & Harmen! Absolutely gorgeous, guys!

Die Fotos sind von Vanessa – tausend Dank dafür!

Mehr von/über Ian Fisher:
Ians Seite

Ich habe leider (wie es so oft der Fall ist) auf deutschen Seiten (z.B. Amazon) keine Möglichkeit gefunden das Album zu bestellen. Es sei denn man möchte recht teure Importware kaufen. Itunes bietet es jedoch zum Download an:
Ian Fisher – Anchor & Ship

Mehr von/über Town Of Saints:
Homepage der Band
Dort kann man auch die oben erwähnte EP „Never Sleep“ bestellen (€8).
YouTube-Kanal Town Of Saints

Als nächstes spielt die australische Sängerin Emaline Delapaix und das Project Heartbreak auf der kleinen Bühne in Vohwinkel – ich freue mich schon sehr darauf!
Facebook-Seite der nächsten Veranstaltung

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2 Gedanken zu „Town Of Saints & Ian Fisher – Bürgerbahnhof Vohwinkel, Wuppertal – 27. Januar 2012

  1. Ich bin immer noch traurig, dass ich nicht hin konnte, aber zum Glück hast du mir CD´s besorgt! Ich freu mich schon auf die Übergabe damit mein Autoradio neues Futter bekommt. Vielleicht schaff ich es ja zum nächsten Konzert. Abgesehen davon will ich doch keine Musiker sehen die von ihrer Freundin erzählen. Wie soll ich den denn dann noch heiraten…? 😉

  2. Die CDs sind wirklich toll, darauf kannst Du Dich freuen!
    Beim nächsten Mal bist Du dabei, keine Widerrede! 🙂

    Und was das Heiraten angeht… War Michael Grubbs verheiratet? Nein. Aber Du wolltest ja nicht zugreifen. 😉

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