Konzertbericht: Jonathan Jeremiah – Musikhaus Kietz, Leipzig – 10. Dezember 2011

Eindrucksvoll – Wenn von einem an Privatatmosphäre kaum zu überbietenden Kurzkonzert mit Englands schwer umworbenen Singer/Songwriter Jonathan Jeremiah ein Begriff an diesem Abend lange nachhallt, dann wohl dieser – Eindrucksvoll.

Jonathan Jeremiah, das ist der neue Liebling der britischen Musikpresse.

“Reich, elegant, zeitlos”  The Guardian

“Authentischer, leise Folk angehauchter Retro Soul… angenehm ansteckend” Q Magazine

Mit seinem Song „Happiness“ schaffte er es in diesem Sommer sowohl in die europäischen Radiostationen als auch in Matthias Schweighöfers Film „What a man“. Dass der Londoner zudem wahlweise über eine enorme Portion Humor verfügt oder aber schlimmeren Falls dem Größenwahn verfallen ist, zeigt der Titel des Debutalbums: „A Solitary Man“.

Jonathan JeremiahDarf ein Erstlingswerk nach einem Johnny Cash Song benannt werden? Die Frage muss sich jeder selbst beantworten, aber eines steht fest: Jeremiah strotzt nicht grundlos vor Selbstbewusstsein. Wer sich die Eigenproduktion seiner Platte sowie die dazugehörige Beteiligung eines 24-köpfigen Orchesters durch Nachtschichten für den Sicherheitsdienst der Londoner Wembley Arena finanziert, seit seinem sechsten Lebensjahr Gitarre spielt und den eigenen musikalischen Werdegang über Jahre hinweg reifen lässt, wer von der väterlichen Plattensammlung bestehend aus Legenden wie Scott Walker, Cat Stevens, Serge Gainsbourg und John Martyn nachhaltig geprägt wird und mit, ganz der sanften Baritonstimme entsprechend, hundeblickähnlichen Traumaugen ausgestattet wurde, der darf so einiges.

        Jonathan Jeremiah

Vor allem darf Jonathan Jeremiah an diesem Abend ein handverlesenes Publikum im Plattenladen Musikhaus Kietz mit vier Songs beglücken. Dass er das so lässig, so cool, so tiefenentspannt durchzieht sind nur weitere Indizien für das Selbstbewusstsein des Londoner Songwriters, den man ohne großes Zögern sofort ins Herz schließt. Gleich zu Beginn erfreut er die Anwesenden mit dem Hit „Happiness„, heimlicher Favorit an diesem Abend ist jedoch „Heart Of Stone„. Eigentlich ein zwischen Jazz und Soul angehauchter Rocksong, der im Plattenladen viel gefühlvoller, ruhiger und intensiver daher kommt. Jeremiah redet viel mit seinem Publikum, bezieht es ein, stellt Fragen. Besonderes Interesse erhalten zwei kleine Mädchen, die während eines Songs leise zu plappern beginnen. Als Vater und Mutter versuchen die Kleinen zum Schweigen zu bringen, reagiert Jeremiah gelassen: „No problem, they’re cool….they are like my backroundsingers.“ Das letzte Stück widmet er den Beiden, gibt noch ein paar Autogramme, lässt sich fotografieren, plaudert mit seinen Fans und verschwindet in der vorweihnachtlichen Nacht.

Man muss Jonathan Jeremiah einmal live gesehen haben. Der Rest ergibt sich dann von selbst. Und falls es doch eines Tages Größenwahn ist, der bei ihm mitschwingt, sind wir uns sicher, es würde ihm ausgezeichnet stehen.

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