Plattencheck: Bo Candy And His Broken Hearts – Bo Candy And His Broken Hearts

Freunde, man kennt sie – diese Momente, von denen man noch den Enkeln der Enkel der Enkel erzählen möchte. Und es gibt Alben, die sollten von der Nachwelt niemals vergessen werden. Was das mit Bo Candy And His Broken Hearts zu tun hat? Nun, schimpft mich verrückt, aber das Debutalbum der fünf Österreicher auf Vinyl in den Händen zu halten, davon werden meine Kindeskinder erzählt bekommen. So ändern sich die Zeiten. Wir haben Geschichten vom Krieg gehört, die folgende Generation muss nun also damit klar kommen. So viel zum Thema „Früher war alles besser“. Aber zum Wesentlichen:

Thomas „Kantine“ Pronai ist in Österreich schon längst kein Unbekannter mehr, darf er sich schließlich als Produzent ruhmreicher Bands wie Ja,Panik oder Garish bezeichnen. Doch sind diese Projekte nur die Spitze eines musikalisch hochbegabten Eisbergs. Hier zu Lande, mehr oder weniger, mit der „Beautiful Kantine Band“ aufgefallen, verschreibt er sich nun als Bo Candy ganz neuen Tönen. Zusammen mit seinen  „Broken Hearts“ Patrick Stürböth (Ex-Staggers-Mitglied), Ivo Thomann (Across The Delta), Judith Filimonova (Minze) und Julian Schneeberger (von den bereits genannten Garish), schleudert Pronai nun ein Debutalbum auf den Markt, das einem überwältigenden Kreuzzug durch scheinbar längst vergangene Musikepochen gleicht.

Es wäre vermessen diese elf geladenen Lieder einem Genre zu unterwerfen. Da ist von Rythm&Blues über Rock(abilly)-, Country- und Gospelelementen so ziemlich alles vertreten, was das Bandbreitenherz begehrt. Bo Candy And His Broken Hearts überzeugen nicht nur durch ihren abwechslungsreichen Hang zu Up-Tempo und Stop-And-Go- Stücken, es ist vielmehr die hinterlistige Tatsache, dass z.B. „I Lost My Faith In You“ oder „Mercy“ geradezu schlicht daher kommen um letzten Endes mit brachialer Gitarren- und Schlagzeuggewalt den Zuhörer und dessen musikalische Gefühlswelt vulkanartig eruieren zu lassen. Es flirrt, es kracht, es treibt an, der Kopf nickt, der Fuß wippt. Dass der Wahnsinn auf dieser Platte mehrere Gesichter hat, beweist auch „Heart On Fire“, welches ohne Umschweife an die Anfänge der 50er Jahre erinnert oder die Ballade „Plain Water“,  bei der man gar nicht anders kann, als emotional aufgewühlt 4 Minuten und 33 Sekunden mit Pronai und seiner außergewöhnlichen Stimme mitzuleiden. Hymnenartig weht einem kurz vor Endes des Werkes „Stare Into Black“ um die Ohren. „Die Reanimation der 70er Jahre Rock-Orgel – Falls es die jemals gab“ entwischt es da LauschRausch Kollege Dirk. Und Recht hat er. Ganze Stadien würde die Nummer wegfegen. Da können Gitarrensoli rausgeholt werden, die Menschenmassen ins Delirium katapultieren. Was kann man also abschließend sagen. Ein Debut, dessen größte Stärke sich aus einer facettenreichen Ideensammlung altbewährter Stilrichtungen selbst erklärt, dabei nie imitiert und letztlich durch eine Stimme besticht die mal reduziert, mal dominant ihre volle Wirkungskraft entfaltet.

Fazit:
Dieses Album schont seinen Hörer nicht, es greift nach seinem Innersten um ihn mit auf eine musikalische Zeitreise zu nehmen, die in dieser Form als ausgestorben gilt oder zumindest kaum von aktuellen Bands in diesem Stil durchgezogen wird. Völlig zerstört ob der tiefsitzenden Euphorie bleibt einem nichts anderes übrig als erneut auf „Play“ zu drücken um sich schonungslos das Herz brechen zu lassen.

Mehr zu Bo Candy And His Broken Hearts:

Release: 11. November 2011
Label: Konkord (Broken Silence)
Genre: Rock(abilly), Rythm/Blues, Country, Blues
Dauer: ca. 49 Min.

1. I Lost My Faith In You
2. City Lights
3. Always On My Mind
4. Coming Home Blues
5. Stole My Crown
6. Plain Water
7. Hang On To Your Desire
8. Heart On Fire
9. Stare Into Black
10. Mercy
11. Wasted

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Ein Gedanke zu „Plattencheck: Bo Candy And His Broken Hearts – Bo Candy And His Broken Hearts

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