Das-Reeperbahnfestival-Tagebuch-Teil II

Nackte Körper, Schweiß und viel von Allem

 

Endlich!!! Das Reeperbahnfestival startet nun, am Freitag, also auch für uns. Für alle nicht Ortskundigen oder Festivalfremden ein paar Infos zu Beginn. Dieses Festival birgt viele der bekannten Konzertlocations, alle zu finden in Hamburgs bekanntestem Partyviertel. Dies bedeutet neben vielen Gebäudewechseln im ungünstigsten Fall auch relativ weite Wege. Problem zwei sind die unzähligen interessanten Bands die natürlich (gefühlt) alle parallel zueinander spielen. Sieht man von diesen Umständen ab, bietet St. Pauli an diesen Tagen eine endlose Quelle an spannenden Konzerten, Lesungen und vielerlei Ausstellungen.

Wir beginnen unseren Tag an der Bändenausgabe, genauer gesagt am Spielbudenplatz. Das Wetter könnte besser kaum sein, eine unbekannte Band dudelt im Hintergrund unplugged, wir schlendern vorbei an diversen Künstlerbuden – Hamburch meine Perle.

Es ist 22 Uhr als wir die Treppen des Uebel&Gefährlich erklimmen. Stockwerk Drei, ich bin endlich da, umzingelt vom legendären Gemäuer. Unzählige Konzerte, exzessive Partys – wenn diese Wände sprechen könnten, sie hätten viel zu erzählen. Doch wir stimmen uns zunächst mit viel Gequatsche und Rumgeschubbse auf Friendly Fire ein. Hinter uns nuscheln ein paar Indieburschen etwas von „..die geheimen Headliner des Festivals“ und wenn man die gespannt wartende Meute so betrachtet könnten die Jungs recht haben. Mit etwas Versprätung rauscht Sänger Ed Macfarlane auf die Bühne, gefolgt von Bandkollegen und viel Lärm auf Seiten der Zuschauer. Zu diesem Zeitpunkt ist mein persönlicher Schmelzpunkt schon fast erreicht, es ist brüllend heiß. Was Friendly Fire abliefern, vor allem ihr exzentrischer Frontmann, ist beeindruckend und ansteckend. Indie-Elektro in Reinform sozusagen. Ed Macfarlane raved, danced, shaked was der schmale Körper hergibt – und das Publikum macht mit. Kleine Ausflüge in die Menge tragen da natürlich zur guten Stimmung bei. Mein Albumfavorit „Blue Cassette“ ist live bei weitem nicht so beeindruckend wie die anderen Stücke, zumindest nicht so antreibend. Eine halbe Stunde tanzen und genießen wir das Spektakel bevor es zur nächsten Location geht.

Fünf Gehminuten entfernt liegen die Fliegenden Bauten vor uns – Herman Dune spielen dort. Ich bin überrascht wie voll und vor allem wie groß der Laden ist. Auch hier überall gut gelaunte Menschen, gemischt von Jung bis Alt. Der gelungene Mix aus Country, Folk und Rockelementen kommt sehr gut an. Bei „I Wish That I Can See You Soon“ hält es zumindest den jugendlichen Teil des Publikums nicht mehr auf der Bestuhlung. Es wird gehüpft, geklatscht, laut mitgesungen. Zur sichtlichen Freude David-Ivar Herman Dünes. Der ohnehin ein ganz besonderer Typ zu sein scheint. Nicht nur seine verrückten Texte offenbaren dies von Stück zu Stück („My Baby Is Afraid Of Sharks“ sorgt für so manchen Lacher), auch optisch eine Mischung aus Tom Green und Armish People, hat dieser Musiker einiges zu bieten. Doch das Gesehene verarbeiten ist auf dem Reeperbahnfestival nicht drin, auf geht’s zum nächsten Auftritt.

Der erwartet uns in der Prinzenbar. Der Eingangsbereich lässt auf assige Rockkneipe schließen, hat man aber die Stufen ins Obergeschoss gemeistert erlebt man die große Überraschung. Grotte trifft Kirche, so könnte man das Gebilde in dem wir uns befinden am kürzesten beschreiben. Kuppelartige Gewölbe über uns, verziert mit Stuckähnlichen Elementen, dazu ein Kronleuchter, eine Discokugel und eine wunderschöne Bar, mit dem abgeranzten Charme altehrwürdiger Kirchen.

Eine Treppe weiter oben warten die Zuschauer auf balkonartigen Logen auf den Anfang, wir dagegen positionieren uns strategisch unklug neben der Box, direkt vor die Bühne. Ich bin wirklich nicht empfindlich aber was mich fünf Minuten später trifft ist der knallharte Synthie-Elektro-Rock-Sound von Reptile&Retard. Mit „…narrenfreier geht’s nicht mehr“ wird die Band im Festivalbegleitheft umworben und was in der folgenden knappen Stunde passiert, lässt genau diese Beschreibung zu. Zur Freude der kopfschüttelnden Security klettert Frontmann Mads auf die Balkone, springt auf die Bühne, lässt sich durchs Publikum tragen, bringt Tanzmoves für die man aus jeder Dorfdisco rausgeschmissen wird und wirkt dabei so cool wie kaum ein Zweiter. Das dieser Typ nicht zu bändigen ist genießen vor allem die weiblichen Zuschauer spätestens als die Hüllen fallen und das durchnässte TShirt in die tobende Menge geschleudert wird. Nackt tanzt es sich ohnehin am besten. Dazu kommt der mir bislang unbekannte Dänische Humor „We had a selection in Denmark. The red wing won. We like that very much…so…the next song is about…äh….ME.” Man muss einfach seine Hände in die Luft werfen und tanzen, tanzen, tanzen. Doch auch diese Gigs enden irgendwann, in diesem Fall überraschenderweise unfallfrei für Band und Zuschauer. Wir genehmigen uns einen Absacker im Molotow und treten den Heimweg ins Schanzenviertel an. Mal sehen was der heutige Tag so bringt. Ein bisschen Sightseeing und dann stehen Highlights wie Locas in Love, Bratze, JaPanik oder Brooke Fraser auf dem Festivalspeiseplan. In diesem Sinne, HummelHummel!!!

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