Anajo – Theatron im Olympiapark München – 21.08.2011

Impressionen einer Sommernacht

Je mehr Konzerte einer Band man gesehen hat, desto schwieriger wird es darüber zu schreiben. Klar, jeder Auftritt ist anders und gerade bei Anajo fragt man sich immer wieder gespannt nicht ob, sondern bei welchem Lied sich Michi versingen wird. Doch auch nach über 20 Konzerten gibt es noch Überraschungen, große Abende, die man selbst so noch nicht erlebt hat.  Das Theatron im Olympiapark München bot an diesem hochsommerlichen Sonntagabend die perfekte Kulisse für eine solche Überraschung. Aber der Reihe nach…

München, 32 Grad, im Olympiapark tummeln sich Familien, frisch Verliebte, ein paar Rentner und die geneigte Musikszene der Landeshauptstadt. Ich bin zu früh im Theatron, viel zu früh. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen beobachte ich die anderen Zuschauer. Die erste Sitzreihe sieht verdächtig nach Fanclub aus, bestehend aus den üblichen stark übergewichtigen fünfzehnjährigen die man von diversen Boybandevents kennt. Das verspricht lustig zu werden. Vom angrenzenden Beachclub dröhnen sanfte Elektrobeats herüber und in diesem Moment, auf den heißen Steinen des Theatrons wird mir klar, eine dunkle Jeans anzuziehen war nun wirklich selten dämlich. Doch noch bevor ich geschmolzen bin kommen meine Begleiter mit Kühltaschen voller erfrischender Getränke, mit Salzstänglis und Gummibärchen. Der Abend kann beginnen…

Zunächst überraschte uns die um den ehemaligen Teeniestar Gil Ofarim neuformierte Band „ACHT“. Auch wenn es musikalisch eher wenig zu lachen oder feiern gab, konnten wir uns die gefühlten drei Stunden Darbietung immerhin mit viel Humor erträglich machen. Nichts gegen das nach wie vor  bestechend gute Aussehen und die große Stimme des Obi Ofarim Sprösslings, seine Lieder jedoch bewegen sich textlich noch stark in der Pubertät. Klischee gereiht an Klischee spielt er seinen Rockstarstiefel runter, mit großen Gesten die einem bereits in den 80ern zu viel waren. Es klingt nach den Red Hot Chilli Peppers, Metallica, ein bisschen nach Glamrock mit Zitaten die man jeder Bravo entnehmen kann. Kein Wiedererkennungswert, keine eigenen Ideen, kein Platz für Interpretationen, alles schon mal da gewesen. Das was Gil zwischen den einzelnen Stücken zu sagen hat, bietet genauso wenig Substanz („München, du bist meine Stadt“, „Seid ihr gut drauf“, etc.).Ich möchte an dieser Stelle aufhören über Acht zu referieren und mit dem Apell schließen, doch bitte endlich den vielen guten arbeitslosen Songwritern in diesem Land eine faire Chance zu geben und nun zum eigentlichen Höhepunkt kommen.

Theatron

Der Acht-Fanclub steht noch am Merch und lässt sich sämtliche Gliedmaßen signieren als Anajo die Bühne betreten. Was folgt ist ein Fest, ein best of aus drei Alben, gekrönt von einer wunderschönen Kulisse und dem Charme der vier Jungs. Erneut kann man den Augsburgern zu der Entscheidung gratulieren Albrecht Schrader mit an Board geholt zu haben. Auch wenn man Michis Keyboardversuche etwas vermisst, durch Schrader leben viele Lieder erneut auf und gerade „Villa am Strand“ erhält durch seine Melodikaeinlage den nötigen Tiefgang. Die relativ neuen Songs des im Frühjahr erschienen Albums „Drei“ fügen sich nahtlos in die Reihe der liebgewonnen Klassiker ein. Das Publikum macht fröhlich mit, die Jungs animieren zum mitmachen, die Stimmung könnte kaum besser sein. Was jedoch diesen gelungenen Abend erst vollkommen macht ist der, und ich finde wirklich keine anderen Worte, gigantische Schlussakt. „Mann auf dem Mond“ heißt das Monster, mit dem die Jungs auch ohne Probleme das angrenzende Olympiastadion in völlige Ekstase versetzen könnten.  Es fängt so harmlos melancholisch an und steigert sich im Verlauf zu einer überwältigenden Klangmasse.

Anajo

Was auch immer Perfektion ist, dieser Abend war dem sehr nah. Und um dem Auftritt  gerecht zu werden, kann man anschließend nur Anajo selbst zitieren: „Was soll jetzt noch kommen? Mehr, mehr wird schwer.“

PS: Michi hat sich nur einmal versungen 😉

PPS: Fotos mit freundlicher Unterstützung von unseren Anajo Ultras Freunden (besonderer Dank gilt natürlich dem Meister persönlich, Markus Wendland 🙂 )

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2 Gedanken zu „Anajo – Theatron im Olympiapark München – 21.08.2011

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