Diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen – Hommage an Die Ärzte

„Ihr wollt Bomben und Kanonen,
wollt auf anderen Sternen wohnen,
wollt totale Perfektion.
Ich frag‘ mich, was bringt’s mir schon.“

 

Während viele Bands kamen und schneller wieder gingen als sie aufgetaucht sind, muss ich hier nun eine Lanze brechen für DIE deutsche Band, die mich seit Jahren begleitet und dies wahrscheinlich auch immer tun wird – ganz gleich, ob sie in Zukunft noch als lange als Gruppe existieren wird oder nicht: Die Ärzte aus Berlin.

Ich könnte mir den Mund fusselig reden oder besser, die Finger wund schreiben, denke jedoch, dass es an dieser Stelle tatsächlich nicht notwendig ist. Weil die Ärzte populär sind. Und ja, auch kommerziell erfolgreich. Das Besondere an ihnen ist aber, dass sie trotz ihres wachsenden Bekanntheitsgrades in den letzten zwanzig Jahren ganz sie selbst geblieben sind. Dafür muss man sie nicht persönlich kennen, man hört es ihren Texten an. Kennt man alte und neue Titel, so stellt man fest, dass Dirk „Bela“ Felsenheimer, Jan „Farin Urlaub“ Vetter und Rodrigo „Rod“ Gonzalez zwar erwachsen geworden sind, gleichzeitig aber hat sich nichts geändert. Ihre wunderbare Selbstironie und ihre Energie haben sie sich erhalten, genauso wie ihre humorvolle und sarkastische Art Lieder zu schreiben. Ihre Musik ließ sich in ihrer Anfangszeit besser in eine Schublade stecken (Punk-Rock) als es heute der Fall ist. Jedoch sorgen nach wie vor Kleidung, politische Einstellung und – nicht zu vergessen – diverse Texte (z.B. „Friedenspanzer“, „Ignorama“, „System“ und „Sommer nur für mich“) dafür, dass die Ärzte eine vom Punk und Rockabilly beeinflusste Band ist und bleibt.

Den ersten Ärzte-Song, den ich im Alter von elf Jahren bewusst hörte, war „Schrei nach Liebe“. Es war der erste Song nach einer längeren Band-Pause und bedeutete damals die Reunion der Ärzte. Der Clip lief in der wohl längst vergessenen WDR-Musikvideoclip-Show „Hit Clip“ (mit Thomas Germann – oder kennt den doch noch jemand?) und machte mich damals schon neugierig auf die Band. Wer waren diese Typen, die „Arschloch, Arschloch!“ schreiend aus einem Sarg kletterten und sehr eindringlich einen Titel gegen Rechtsextremismus sangen?

In den nächsten Jahren steigerte sich mein Interesse und meine Begeisterung und ich überzeugte mich auf Konzerten von ihrer Livequalität. Ich habe einige Konzerte von unterschiedlichsten Musikern besuchen dürfen und ich kann mit Sicherheit sagen, dass die Ärzte das Beste sind, was ich jemals auf großen Konzertbühnen erleben durfte. Das Geheimnis ist für mich ihre Absicht nicht perfekt zu sein und ihr eigenes Ding durchzuziehen. Sie haben einen unbändigen Spaß daran ihre Songs zu spielen und das Publikum durch spontane kreative Texteinlagen zu verwirren und zum Lachen zu bringen. Aber in allererster Linie mit den Fans zu kommunizieren – ich nehme Farin & Co jedes Wort ab. Auch wenn sie neben ihrer Authentizität jede Menge Geld verdienen und großartige Geschäftsleute sein müssen. In diesem Zusammenhang muss ich aber auch erwähnen, dass die drei keinerlei Interesse daran haben abnorme Preise für ihre Konzerttickets zu verlangen wie so viele Bands, die bedeutend kürzer existieren als sie. Ihnen ist es wichtig, jeden an ihrer Musik teilhaben zu lassen. Auch in Form vom nicht vorhandenen Kopierschutz auf ihren Alben.
Sie haben schon immer das gesagt, was sie sagen wollten – und sich von Indizierungen ihrer frühen Werke nicht beeinflussen lassen. Im Gegenteil.

Jedes Bandmitglied hat seine eigene spezielle Rolle in der Band:
Farin ist tatsächlich Nichtraucher, Antialkoholiker und Pescetarier (Verzicht auf Fleisch, nicht aber auf Fisch) und sorgt mit seiner hohen Stimme für den Wiedererkennungswert. Bela übernimmt gegenteilig dazu die Parts für tiefere Tonlagen und ist zudem zuständig für die düsteren Texte, was mit seiner Leidenschaft zum Horror-Genre begründet ist. Letzter im Bunde (und auch der Letzte, der 1993 zur Band gestoßen ist) ist Rod, der für die, ja, vielleicht mag man sie Liebeslieder (z.B. „1/2 Lovesong“) nennen, verantwortlich ist.

Um die Ärzte ins Herz zu schließen muss man viel Humor haben und nicht alles im Leben allzu ernst nehmen. Die Absicht ihrer Musik ist sicherlich nicht die Welt zu verändern, sie geben aber gelegentlich einen Anstoß einmal über gewisse Dinge nachzudenken. Ein gutes Beispiel hierfür ist das oben genannte „Schrei nach Liebe“, mit dem sich Rod, Bela und Farin erstmals sehr deutlich zu ihrer politischen Gesinnung bekannten. Oder „Die klügsten Männer der Welt“, ein Titel in welchem sie sich auf die typisch ironische Ärzte-Art über unsere unehrlichen Politiker beklagen.
Aber natürlich verfügen die Ärzte auch über einen riesiges Repertoire an humorigen Texten ohne besondere Absicht und Hintergrund. Aber genau diese Mischung zeichnet sie aus. Wenn ich jetzt beginne, meine Lieblingtitel zu nennen und dies zu begründen, sprenge ich aber definitiv den Rahmen meiner kleinen Hommage.

Soviel sei noch gesagt:
Für mich sind die Ärzte ein Stück weit sogar Menschen mit einer gewissen Art der Vorbildfunktion. Sie sind niemals von ihrer individuellen Haltung abgewichen und haben sich nicht von den Medien verbiegen lassen. Sie sagen und singen heraus was sie denken und das ist so erfrischend ehrlich, dass man sogar darüber hinweg sieht, dass Farin Urlaub seit der Bandgründung (1982) mit der gleichen unsäglichen blonden 80er Jahre-Gedenkfrisur herumläuft und Bela B immer noch ein Faible für billige Splatterfilme hat und dieses Faible auch in Form von Schauspielerei auslebt.

Danke „Beste Band der Welt“, danke BelaFarinRod. 🙂

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