Alpenland meets Avantgarde – Ein Abend im Puerto Giesing

Das Puerto Giesing ist schon längst auch über Münchens Stadtgrenzen hinaus bekannt. Im ehemaligen Hertie-Kaufhaus traf sich in diesem Sommer die Münchner Subkulturszene um Künstlern jedweder Form bei ihrem Schaffen zuzusehen. 4000 Quadratmeter Fläche im Arbeiterviertel Giesing wurden genutzt um DJs, Designern, Fotografen oder der Streetart eine ansprechende Location zu überlassen.
An diesem Abend sind es die Express Brass Band und Kofelgschroa, die die provisorisch anmutenden Räumlichkeiten, in diesem Fall handelt es sich um die ehemalige Lebensmittelabteilung im Untergeschoss, mit Publikum füllen.  Das Puerto Giesing füllt sich rasch, für einen Dienstagabend sogar mit einer erstaunlichen Menge. Das Bier ist günstig, die Stimmung ausgelassen. Die Zusammensetzung der Zuschauer beeindruckt mich sehr. Vom hippen Großstädter bis zum Jeansjacke und Karohemdtragenden Mitvierziger, vom Rastahippie zur Ganz-in-Schwarz-Gestalt ist Querbeet wirklich alles geboten. Eine illustre Gruppe, die damit perfekt zu den Musikern des heutigen Abends passt.

Die in der Landeshauptstadt längst bekannte Express Brass Band bieten eindrucksvoll die gesamte Brass-Soundpalette. Ein bisschen Jazz, ein bisschen Soul.  Alle Einflüsse aufzuzählen fällt schwer, die Mixtur jedenfalls ist mitreißend. Das Vierzehn- zwischenzeitlich Fünfzehnköpfige Kollektiv erfüllt nicht einfach ein Programm, sie zelebrieren ihren Auftritt. Die Solo-Darbietungen an Saxophon, Klarinette oder Posaune werden bejubelt, dass Ensemble hat sein Publikum fest im Griff. Die Express Brass Band und Kofelgschroa treten im Wechsel auf. Kurze Umbauphasen werden für neue Getränke oder die ein oder andere Zigarette genutzt. Und auch die Jungs der Volksmusik-Kapelle Kofelgschroa haben einiges zu bieten. Bayovarische Mundart, mit viel Witz und Humor, trifft hier auf typisch alpenländische Töne und trotzdem schaffen die Vier es, eine gewisse Originalität in ihre Musik zu legen. Bei ihrer zweiten Vorstellung gehen Express Brass in die Vollen und endlich erheben ein paar Tanzwütige sich, um den hinteren Teil des Raums für sich einzunehmen.


Ein rundum gelungener Dienstagabend, der vor allem durch die Tatsache verstärkt wird, dass der Eintritt kostenlos war. Das Ex-Herthiegebäude weicht bald einem Neubau. Bereits Ende Oktober soll der Kulturhafen „Puerto Giesing“ seine Pforten schließen. Schade! Doch den kreativen Köpfen um Zehra Spindler und dem Label „München 852“ wird sicher etwas Neues einfallen um Münchens Subkultur auch in Zukunft eine Plattform bieten zu können.

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