Plattencheck: Manchester Orchestra – I’m Like A Virgin Losing A Child & Mean Everything To Nothing

Vorab: Hierbei handelt es sich weder um eine Kapelle aus dem englischen Manchester, noch um Geigen und Trompeten. Das Manchester Orchestra spielt mit seinen Zuhörern,
führt sie aufs Glatteis, um sich später als junge Rock-Band aus Atlanta, Georgia zu entpuppen. Das Manchester Orchestra war mir zuvor zwar schon ein Begriff, aber ich muss zugeben, dass ich ihnen nur wenig bis gar keine Aufmerksamkeit schenkte. Bis zum erstgenannten Album das mir eine Freundin zutrug, wohlwissend, dass sie meinen Musiknerv damit treffen würde. Ich habe oben beide Alben genannt, weil ich sie erstens gleichzeitig „entdeckt“ habe und zweitens wirklich von beiden absolut überzeugt bin.

Die Musiker sind jung und ich bilde mir ein, dass man es den Stücken ihrer Alben anhört. Was keinesfalls ein negativer Aspekt sein muss. Im Gegenteil. Während ich die Arctic Monkeys (wer sind die nochmal?) von Beginn an verurteilte, ihre Musik sei oberflächlich, manchmal scheppernd, aber partytauglich, tendiere ich hier in eine gänzlich andere Richtung. Die Musik des MO ist textlich breiter gefächert, kreativer, authentischer und, ja, im Vergleich erwachsener. Erwähnenswert ist dennoch, dass mich beide Bands in irgendeiner Form aneinander erinnern. Dies mag an den treibenden Gitarrenriffs liegen und dass beide Bands ihre LPs gerne mit schnellen Titeln starten, es kann aber auch einfach nur eine Geschmacks- und Hörsache sein.

Die Band spielt nicht nur lauten, eingängigen Indie-Rock, sondern beweist, dass auch großartige Balladen zu ihrem Repertoire gehören, wie es sich vorallem auf „I’m Like A Virgin Losing A Child“ zeigt (Anspieltipp: „Where Have You Been“). Die Stimme des Leadsängers, Gitarristen und Kopf der Band, Andy Hull, prägt sich schnell ein. Der Wiedererkennungswert in Sound und Stimme ist also grundsätzlich gegeben. Auch eine (absichtliche!) Ähnlichkeit ihrer Musik zu The Smiths ist ihnen nicht abzusprechen.

„Mean Everything To Nothing“ klingt wie sein (in Deutschland übrigens nie erschienener) Vorgänger: unverbraucht, ein wenig rotzig, aber immer durchdacht. Vorallem „The Only One“ bietet einen packenden Start und nein, danach schaltet man so schnell nicht mehr ab.

Fazit: So kann man nur hoffen, dass das Quintett nicht, wie so viele großartige Bands zuvor, verheizt und folglich so sehr vermarktet wird, dass ihre ehrliche und offene Art Musik zu machen verloren geht. Ein weiterer Grund sich über das Manchester Orchestra zu informieren und ihre Homepage zu besuchen sind übrigens elf Videos, die sie zu ihren elf Songs der zweiten LP gedreht haben. Auch das spricht, meiner Meinung nach für eine Band, die jeden ihrer Titel zu einem kleinen Kunstwerk macht.

Release: 14. Oktober 2006/18. September 2009
Label: Sony Music
Genre: Indie-Rock
Dauer: 44 min./53 min.
Videos & Hörproben: zur Homepage

Tracklists:

I’m Like A Virgin Losing A Child
1. Wolves At Night
2. Now That You’re Home
3. The Neighborhood Is Bleeding
4. I Can Feel Your Pain
5. Where Have You Been?
6. I Can Barely Breathe
7. Sleeper 1972
8. Golden Ticket
9. Alice And Interiors
10. Don’t Let Them See You Cry
11. Colly Strings

Mean Everything To Nothing
1. The Only One
2. Shake It Out
3. I’ve Got Friends
4. Pride
5. In My Teeth
6. 100 Dollars
7. I Can Feel A Hot One
8. My Friend Marcus
9. Tony The Tiger
10. Everything To Nothing
11. The River

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