Ja,Panik – Kino, Ebensee (A) – 02.10.2010

Ja meine Herren was auch immer entsteht,
ist nur gemacht damit es untergeht.

(Ja,Panik – Nevermore)

Es gibt Bands die liefern, gewollt oder nicht, mit ihrer Musik den Soundtrack zu großen Situationen, Gesten, Taten oder schlichtweg dem Leben. Auch Bo Candy And His Broken Heart schaffen dieses Kunststück und liefern im Kino Ebensee eine fantastische  Vorbandleistung ab. Um welche Art Soundtrack es sich handelt? Sagen wir‘s mal so, sollte ich jemals mit einem Truck  über die Route 66 brettern, dabei viel zu viel Rauchen, Sonnenuntergänge genießen und das einsame-Wolf-Leben voll auskosten, dann wäre eine Kassette der fünf Österreicher ein absolutes Muss. Ob das ein Kompliment ist? Mehr als das. Es ist eine Verneigung. Ohne viele Worte ziehen die fünf Musiker ihre Bühnenshow durch und mich in ihren Bann. Sänger Thomas Pronai hat sichtlich viel Spaß und lässt die vielseitigen Facetten seiner Musik auch emotional aufkommen. Die eingängigen Stücke verfehlen ihre Wirkung nicht und erhalten viel Applaus. Sie erinnern an eine Zeit in der die Musikwelt scheinbar noch in Ordnung war. Es hat etwas von Country, Folk, Rock und noch so vielem mehr, ohne dabei imitierend zu wirken. Nein, Bo Candy And His Broken Hearts Leben ihre Musik auf der Bühne aus und das sie dafür keine übermäßigen Gesten benötigen macht es noch viel faszinierender.

Vielleicht sollte ich eines noch vorweg nehmen: Einen objektiven Konzertbericht über Ja,Panik aus meiner Feder ist in etwa so wahrscheinlich wie eine ehrliche Aussage Angela Merkels zur Lage der Nation oder dass Mario Gomez nochmal ein Tor schießt. In konkreten Zahlen: stark gen Null tendierend.
Der Hauptakt betritt, ganz in Schwarz gekleidet, die Bühne. Ein Teil des Publikums bewegt sich langsam aus den Kinositzen und wird gleich mit einem neuen Song überrascht. „Suicide, suicide, suicide, suicide“ lässt die Vorfreude auf das Vierte Album der Burgenländer weiter steigen. Das gilt in gleichem Maße für die Neulinge  „Tommy Hilfiger“ und „Ship“, denn es scheint als würde sich Ja,Panik wieder einmal neu erfinden und gewinnt dadurch einmal mehr an grotesker Glaubwürdigkeit. Grotesk, wenn man bedenkt wie gering der autobiografische Teil und wie hoch die fiktiven Inhalte im Verhältnis zueinander stehen. Denn trotz Spechtls origineller Songtextbastelei kaufe ich ihm jede Silbe ab, als hätte er Lied um Lied höchstpersönlich, leidend durchlebt. Und wie zum Beweis sieht Andreas Spechtl an diesem Abend genau so aus. Die Augen minimalistisch geöffnet, entgeht ihm hoffentlich, dass das Konzert für einen Samstagabend eher mäßig besucht ist und der Großteil die bequemen Sessel vorzieht. Naja, die erste Reihe gibt trotzdem alles und singt die Lieder allesamt mit. Mein Trost. „Nevermore“ wird durch die Tanzeinlage Schleichers wieder zum optischen Highlight des Abends. Für alle die Ja,Panik bzw. den Schleicher (Thomas Schleicher) nicht kennen, ein Blogger hat ihn treffend als eine Mischung aus John Cleese und dem Vollstrecker bezeichnet, ein Vergleich der besser kaum ausfallen könnte. Ansonsten zieht die Band ihre Show wie immer ohne große Worte durch. Sie liefern ab, was man von Ihnen verlangt, lassen die Musik für sich sprechen. Mehr braucht man gar nicht. Als Zugabe wird das bereits erwähnte „Ship“ gespielt, zu dessen an sich schon niederschmetternder Art, Andreas Spechtl nur mit Tamburin und Zigarette bewaffnet, die Bühne ganz für sich einnimmt. Passender geht’s kaum. „Alles hin, hin, hin“ bildet den Abschluss eines guten Konzerts, dass vor allem Lust auf neue Musik der Gruppe Ja,Panik macht.

PS: Die Kassette von Bo Candy And His Broken Hearts habe ich natürlich gekauft….fehlt nur noch ein Truck.

Weiteres Bildmaterial gibt’s auf Flickr

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